Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1228130
Kap. 
unter 
ie Kunst 
den 
Kaisern. 
römischen 
übrigen 
211 
der Anblick der meist von unten nach oben immer heller und 
lichter gemalten Gebilde ist ein anmutiger und täuscht den 
Bewohner über die Enge der Räume durch die scheinbar 
nach allen Seiten sich öffnenden Wände. Doch wurden viel- 
fach auch Bilder als Wandschmuck angebracht, die wirklichen 
Kunstwerken der Malerei naher kamen: grofse Landschaften, 
die manchmal ganze Wände bedecken, jagdstücke mit wilden 
Tieren, mythologische Scenen, Bilder aus dem Leben. Der 
allzugrofsen Phantasterei in Behandlung der Wände Scheint 
der feinere Geschmack zu Augustus' Zeit ein Ziel gesetzt zu 
haben, wo man die Architekturen durch blofse Ornament- 
streifen ersetzte und die Wände sonst als ebene Flächen fafste, 
die man mit reichem Schmuck aller Art, besonders aber mit 
besseren Gemälden bedeckteis). 
S0 erblicken wir ein schönes Bild unter Taf. 30, Fig, 1, 
welches eine hochzeitliche Scene darstellt. Es wurde 1606 in 
Rom gefunden und heifst nach seinem ersten Besitzer die 
aldobrandinische Hochzeit. Das zehn Personen umfassende 
Bild zerfällt in drei Scenen, die durch zwei Pfeiler einiger- 
mafsen geschieden werden. Betrachten wir zunächst die 
mittlere, die Hauptscene, welche von vier Personen gebildet 
wird, während die beiden Seitengruppen aus je drei bestehen. 
In dem Frauengemache sitzen auf. einem schwellenden Lager 
zierlichster Art zwei Frauen, die verschleierte und von Kopf 
bis zum Fufs in weifse Gewänder gehüllte Braut in halb zurück- 
gelehnter Stellung und neben ihr ein bekränztes, halb ent- 
blöfstes jugendliches Weib, eine Fürsprecherin des Bräutigams. 
Vertraulich hat sie den linken Arm um den Nacken der Braut 
gelegt, während sie mit der Rechten ihren überredenden 
Worten Nachdruck verleiht. Rechts davon sitzt, mit dem 
Rücken teilweise an die Bettstelle gelehnt, auf einer steinernen 
Platte, welche die Schwelle des Gemachs bedeuten soll, der 
wenig bekleidete, mit Epheulaub bekränzte Bräutigam, voller 
Erwartung lauschend und bereit in das Innere des Gemachs 
in die Arme der ersehnten Braut zu eilen. Links lehnt sich 
anmutig auf eine Säule eine dritte, halbentblöfste weibliche 
Gestalt; sie träufelt Salböl in eine Muschelschale, um die 
Braut nach dem Bade mit dem (luftigen Inhalte zu salben. 
Das Bad aber, welches die Braut vor dem Verlassen des elter- 
lichen Hauses zu nehmen pflegte, wird auf dem linken Flügel 
des Bildes zubereitet.  Auf einer von einem Säulengtumpf 
getragenen Tischplatte 1st ein Wasserbecken; rechts steht eine 
matronale, reich bekleidete Gestalt, welche wie prüfend die 
Finger der rechten Hand ins Wasser taucht; in der Linken 
hält sie einen Fächer. Zu dieser blickt fragend das links 
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