Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226052
Die ägyptische Kunst. 
3 
Mit der Erbauung der Pyramiden aber hat es 
folgende Bewandtnis. Aus religiösen Gründen war nirgends 
die Sorge für die Toten gröfser als in Agypten, wo man 
dieselben nicht nur vor Verwesung, vor Durst und Hunger 
behütete, sondern ihnen auch möglichst feste und dauerhafte 
Grabstätten bereitete. Solche haben sich in ansehnlicher Zahl 
von allen vornehmeren Ständen erhalten; dieggrofsartigsteir 
aber sind die Königsgräber der älteren Zeit, die Pyramiden, 
hinter denen die späteren Königsgräber in Tempelform weit zu- 
rückstehn. Gleich nach seiner Thronbesteigung liefs der 
König den Bau seiner Pyramide beginnen, um sich ein 
würdiges Grabdenkmal zu schaffen. Uber einer in der Erde 
angelegten Sarkophagkammer liefs er zunächst einen kleinen 
Bau anführen, der den Kern des Ganzen bildete. Je nach der 
Dauer seiner Regierung wurden um diesen neue Schichten, 
bis zu drei, mantelartig herumgelegt; NaCh Seinem Tode 
fand der Bau dadurch seinen Abschlufs, dafs man die grofsen, 
über 0,70 m hohen Terrassen, welche uns Fig. 2 andeutet, 
mit grofsen Steinblöcken ausfüllte, diese von oben herab 
schräg abmeifselte und die Flächen polierte. Das verwandte 
Material ist teils Kalkquader, teils aber auch gewöhnliches 
Mauerwerk und Ziegelstein; die Steinlagen (Stufen) betragen 
bei der Pyramide des Cheops an Zahl ursprünglich 205.  
Ihren Namen erhielten die Pyramiden angebllCh VOH ihrem 
Zwecke, denn P-uro-ma soll wörtlich 1) heifsen wKönigsgrabu. 
Rings um die einzelnen Pyramidengruppen P5681169 Gräber- 
städte (Nekropolen) angelegt zu werden. 
Der grofse Sphinx. (Taf. 1, Fig. 1-) Erfüllen UIIS 
die trotz der Einfachheit ihrer Formen durch ihre Masse 
grofsartigen Pyramiden mit Bewunderung, so staunen wir 
nicht minder über ein Werk ägyptischer Skulptur, das uns 
Fig. 1 mit zur Anschauung bringt: den von König Chephren 
wahrscheinlich dem Sonnengotte geweihten Rlesensphinx. 
Jetzt ragt von ihm nur noch der etwa 9 m hohe Kopf aus 
dem Wüstensande hervor; die Gesamthöhe hat man auf etwa 
20 m (also ungefähr die Höhe eines vierstöckigen Hauses), 
die Länge des Körpers auf 50 m berechnet. Die ganze Ge- 
stalt ist gröfstenteils aus dem natürlichen Felsen gearbeitet 
und stellt einen ruhenden Löwenkörper mit einem von der. 
Königshaube bedeckten Manneskopfe dar, der zwischen den 
aus angesetzten Felsblöcken gemeifselten Tatzen ein kleines, 
oben olTenes Heiligtum hält. Die in unsern Augen seltsame 
Formverbindung war das Abbild eines grofsen Gottes, der- 
ein Schirmer war vor allem Bösen, ein hütender Wächter. 
Und so erscheinen die Sphinxe in der ägyptischen Kunst, 
144
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.