Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227993
Kap 
Kunst unter Kaiser Augustus. 
Die 
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Dinge zu durchschauen. Die Nase ist kräftig entwickelt und 
tritt Ziemlich stark hervor aus der senkrechten Linie des Pro- 
fils. Von ihrer Wurzel gehn seitlich nach unten zwei Falten, 
denen zwei ähnliche an den Mundwinkeln entsprechen. Sehr 
bezeichnend ist die Bildung des Mundes. Man glaubt diesen 
schmalen, zum Sprechen geöffneten Lippen die allzeit fertige 
Sprachgewandtheit und ebenso den schlagfertigen, oft der 
Bitterkeit nicht entbehrenden Witz anzusehn, durch den Cicero 
sich auszeichnete. Doch wird dieser Eindruck der grofsen Le- 
bendigkeit in Sprache und Geberde überwogen durch das noch 
stärkere Hervortreten der mächtig gewölbten Stirne, die uns 
verkündet, dafs der Mann nicht nur ein gewandter Redner, 
sondern auch ein ernster Denker und eifriger Jünger der Wis- 
senschaft war. 
Cäsar (Taf. 27, Fig. 7). Ein ebenso treifliches Bild ist 
uns von Cäsar erhalten in einer Panzerstatue des Konserva- 
toren-Palastes, von der wir hier Kopf und Brust mitteilen 11). 
Er ist in jugendlicherem Alter aufgefafst. Das Gesicht zeigt 
weder Runzeln noch Magerkeit. Das an den Seiten nach vorn 
gestrichene Haar ist ziemlich voll. Das Gesicht zeigt Ernst; 
der fast geschlossene Mund mit den schmalen Lippen hat 
etwas Bestimmtes, Gebieterisches. Dieser Eindruck wird noch 
erhöht durch die zwei von der Nasenwurzel nach den Mund- 
winkeln laufenden Falten und die weit geöffneten, sicher 
vorwärts blickenden, von buschigen Brauen überschatteten 
Augen. Die Nase tritt kräftig hervor und ist kaum merklich 
gebogen. Die Stirn ist hoch, der Kopf nach hinten gerundet. 
Die Kleidung besteht aus dem Panzer und dem darüber fal- 
lenden, auf der rechten Schulter zusammengehefteten Paluda- 
mentum. Die Statue gehört ihrer Entstehung nach dem ersten 
Jahrhundert n. Chr. an, einer Zeit also, da man die Kaiser 
unter die Götter zu versetzen pflegte. So hat denn der 
Künstler die allzusehr an Sterblichkeit erinnernde Magerkeit 
Cäsars gemildert und ihn in ein blühendes Alter zurückver- 
setzt: er hat ihn idealisiert.  
Augustusstatue im Vatikan. Das folgende Bild (Taf. 
27, Fig, S) bietet eine Porträtstatue des Kaisers Augustus, 
die noch besonders interessant ist durch namhafte Reste der 
ÜbermaIungZY). Sie zeigt den Kaiser in kräftigem Mannes- 
alter, zwar im Zustande der Ruhe, aber so, dafs eine Bewe- 
gung eben vorausgegangen zu sein scheint, wie sie Redner bei 
öffentlichem Auftreten machen. Das beweist das elastisch 
stehende linke Bein sowie die Haltung der rechten Hand, die 
er eben etwa einer Volksversammlung entgegengestreekt zu 
haben scheint. Die Linke hält das Scepter halb hoch. Die
        

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