Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227977
Kap. 
Die 
Kunst 
unter 
Kaiser 
Augustus. 
195 
beitet ist, als die Griechen es einst schön fanden, als besiegt, 
als überwältigt darstellt, deutet er auf die Schwere der über. 
wundenen Aufgaben hin. Dafs dieser Effekt nicht zufällig, 
sondern beabsichtigt ist, beweist die Kunst und Überlegung, 
mit der die ganze Statue überhaupt gearbeitet ist; sowohl die 
äufserst sorgfältige technische Behandlung als auch die Gröfsen- 
Verhältnisse der einzelnen Teile. Mit Absicht hat der Künstler, 
um den Körper über menschliches Mafs hinauszuheben, die 
Beine so lang und die Brust so breit, den Kopf dagegen so 
klein gebildet. Die Inschrift an dem Felsen nennt als Meister 
Glykon aus Athen, den wir uns als unter Augustus in Rom 
ansässig zu denken haben. Für dieses Alter der Statue spricht 
auch der Umstand, dafs die Augensterne ausgehöhlt sind. Die 
Erfindung der Statue rührt nicht von Glykon selbst her, sondern 
geht wohl auf einen früheren griechischen Künstler zurück. 
Doch dürfte die Übertreibung in der Muskelbildung auf 
Rechnung des Glykon kommen 19). 
Sog. Borghesischer Fechter. Unter Taf. 27, F ig. 4 er- 
blicken wir einen Krieger in Ausfallstellilng gegen einen höher 
stehenden Feind. Er fafst seinen Gegner, der ihn links von oben 
bedroht, scharf ins Auge. Mit vorgestreckter Linken, an der 
eine Schildhandhabe symbolisch den Schild bedeutet, sucht 
er sich zu decken, utähretid er mit der Rechten die Waffe 
führt, um auf den Feind im nächsten Augenblicke loszustürmen. 
S0 befindet sich der ganze Körper wie auch das Gesicht in 
der größtmöglichen Anspannung. Die Gestaltung des Kopfes, 
der uns einen gewöhnlichen Menschen ohne allen Adel zeigt, 
begründet die Annahme, dafs wir hier nicht an einen Heroen 
zu denken haben oder an einen berühmten Kriegshelden, son- 
dern an einen gemeinen Krieger oder Fechter, den der Künst- 
ler in dieser Auslage zum Kampfe zeigt, blofs um seine Kunst 
zu beweisen in der Darstellung des schwer wiederzugebenden 
Momentes allgemeinster Muskelanspannung, wie sie einer rasch 
und kraftvoll geführten Handlung vorausgeht; also, um seine 
genaue Kenntnis der Anatomie des Menschen an den Tag zu 
legen. Letzteres ist ihm wirklich in einer Weise gelungen, 
dafs ein französischer Arzt diese Statue seiner Behandlung der 
Anatomie des Menschen zu Grunde gelegt hat. Eine Inschrift 
belehrt uns, dal's dies Marmorwerk von Agasias, des Dositheos 
Sohn aus Ephesos, verfertigt ist, der wahrscheinlich um 
Augustus Zeit in Rom lebte. BorgheSiSChcr Fechter wird die 
Statue genannt, weil sie bis {S08 im Besitz der Familie Bor- 
ghese war; seitdem ist sie im Louvre. 
Sogenannte Thusnelda. Taf. 27, Fig. 5 zeigt die Ko- 
lossalstatne eines hochgewachsenen, trauernden Weibes. Das 
13"
        

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