Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227942
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III. 
Römern. 
Die Kunst bei den 
schweren Voluten der ionischen Ordnung, nur dafs man diese 
nach allen vier Seiten in der Richtung der Diagonalen ein- 
ringelte. Solcher Pracht entspricht nun auch das Gebälk. 
Alle möglichen Zierglieder, Rundstab, Eierstab, Herzblatt, 
Zahnschnitt sind zahllos verwandt (Taf. 26, Fig. 10), der Fries 
zeigt ein buntes Spiel üppiger Ranken, die in geflügelte 
Amoretten auslaufen, während das weit ausladende Gesims 
unten mit Konsolen, Kassetten und Blumen verziert ist. Ge- 
wifs entstand so oft Überladung; dafs aber eine bedeutende 
Wirkung erreicht wurde, beweisen die erhaltenen Reste. 
Archaistische Artemis. Taf. 27, F ig.1 stellt ein schrei- 
iendes Weib dar mit Köcher und Diadem, also eine Artemis. 
Sie ist mit Unter- und Obergewand bekleidet; mit der rechten 
Hand hebt sie zierlich das Untergewand etwas in die Höhe, 
in der Linken scheint sie einen Bogen oder eine Fackel ge- 
halten zu haben. Eigentümlich erscheint sofort die regelmäfsige 
Behandlung der Gewandfalten, die regelmäfsige Zickzacklinie 
des Uberwurfs, das drahtartige Haar und das (auf unserm 
Bild nicht sichtbare) freundliche Lächeln. Wir werden durch- 
aus an die Bilder einer längst vergangenen Zeit, an die Periode 
der Ägineten (S. 66), gemahnt. Aber doch fehlt es nicht an 
deutlichen Anzeichen, dal's wir ein Erzeugnis späterer Jahr- 
hunderte vor uns haben. Zwar ist die Haltung des Körpers 
so, dafs trotz des Schreitens nicht ein Bein als das momen- 
tan tragende dargestellt ist, aber doch hat der Künstler nicht, 
wie alte Statuen es zeigen, beide Füfse auf die glatte Sohle 
gestellt, sondern der rechte Fufs ruht elastisch auf den Zehen. 
Beim Gewand ist die ausclruckslose Anordnung allerdings den 
alten Künstlern nachgeahmt, aber durch das querüberlaufende 
Köcherband, welches das Gewand links unter der Brust nieder- 
drückt, ist die steife Regelmäßigkeit der alten Zeit durch- 
brochen. Das Haar ist zwar auf dem Kopfe in ängstlich 
gleichmäfsige Wellen geteilt, aber in freierern Schwunge, wie 
die archaische Zeit ihn nicht kannte, hängen rechts und links 
Locken herab. Das Gesicht zeigt zwar die Freundlichkeit 
der archaischen Bilder, aber nicht mehr die flach liegenden 
Augen. Die Gesamthaltung der Figur, besonders die Linie 
auf ihrer rechten Seite vom Halse abwärts bis zum F ufse, zeigt 
die Steifheit der Vorzeit, aber die rundliche Bearbeitung der 
Fleischteile steht im Widerspruche zu jener Periode. Wir 
haben also ein Werk vor uns, welches deutlich zeigt, dafs der 
Künstler Vorbilder längst vergangener Zeiten hat nachahmen 
wollen, dafs er mit sicherer Hand auch gewisse charakteris- 
tische Eigentümlichkeiten jener Periode wiedergegeben hat, dal's 
er aber doch nicht unbefangen genug war, um sich genau
        

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