Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227902
IÜU 
Treppen, welche in der Richtung v0n Halbmessern von der 
Orchestra nach der oberen Säulenhalle führten und die Sitz- 
reihen in mehrere Keile, cunei, teilten. Das Theater des 
Marcellus hatte einst etwa 20,000 Sitzplätze.  Die Haupt- 
unterschiede, welche das Innere des römischen Theaters gegen- 
über dem griechischen aufweist, sind aufser der andern Ver- 
wendung der Orchestra folgende: die Bühne erhielt ansehn- 
lichere Breite und gröfsere Tiefe. Die rechts und links von 
der Bühne zu der Orchestra führenden Zugänge wurden über- 
wölbt, so dafs darüber Sitzplätze angebracht werden konnten; 
endlich ptlegt sich in der Mitte des Zuschauerraums eine 
Treppe zu linden, während bei den Griechen daselbst ein 
cuneus war. 
Von aufsen aber unterschied sich das römische Theater 
sehr wesentlich vom griechischen. Der Säulen- und Balken- 
bau hatte es den Griechen nicht gestattet, den so grofsen 
Zuschauerraum in freier Ebene aufzuschlagen, weil solche 
Steinmassen auf Säulen und Balken nicht aufgetürmt werden 
können. Man hatte deshalb meist einen in die Berge sich 
verlaufenden Ausgang einer Thalmulde oder wenigstens einen 
Abhang, den man zum Halbrund aushöhlte, aufgesucht, um 
hier die Sitzreihen in dem natürlichen Gestein oder Erdreich, 
wenn auch mit künstlicher Nachhilfe, anzubringen. Anders 
die Römer. Indem sie Gewölbe anwandten, die unendlich 
viel tragfähiger sind, konnten sie auf ebenem Boden ihre 
Theater anlegen, deren Zuschauerraum nach aufsen eine halb- 
kreisförmige Mauer zeigte, die man in einer neuen Weise ver- 
zierte. Von der alten Umfassungsmauer des Marcellustheaters 
ist noch ein Stück erhalten, dessen Anlage unsTaf. 26, Fig.4 
zeigt, wenigstens in den zwei unteren Stockwerken. Den Kern 
des Baues bilden Bogenstellungen. Tonnengewölbe, welche 
fensterartig nach aufsen endigen, ruhen auf Mauern, die sich 
nach aufsen als Pfcilerldarstellen. Die Vermittelung zwischen 
Bogen und Pfeilern bildet ein Gesims (Kämpfergesims). Uber 
diesen Bögen hinweg zieht sich aufsen das horizontale Gebälk, 
das beim ersten Stockwerk aus Architrav,"Friglyphenfries und Ge- 
sims besteht, wie bei der dorischen Ordnung (S. 54). Die Zwickel 
sind durch Mauerwerk ausgefüllt. Dies Gebälk nun wird 
scheinbar getragen von den in der That nur zum Schmuck 
angewandten dorischen Halbsäulen, welche, die Kämpferge- 
simse durchschneidend, vor die Steinpfeiler vorgesetzt sind. 
Uber dem ersten Stock wiederholt sich dieselbe Anordnung, 
nur dafs die Säulen der ionischen Ordnung entnommen sind 
und einen Unterbau von der Höhe der Fensterbrüstung 
haben. Solch ein Postament unter der Säule wurde ange-
        

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