Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227820
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geben, bei seinem beschränkten Können in unschöne Über- 
treibung. 
Rückblick. Die Architektur spielt bei den Etruskern 
keine hervorragende Rolle; doch sind alle Konstruktionsweisen 
vom sogenannten kyklopischen Mauerwerk bis zum regelrech- 
ten Gewölbe in Übung gewesen7). Auch sonst haben die 
Etrusker in Stein weniger gearbeitet, besonders wohl deshalb, 
weil es ihnen an geeignetem Material fehlte, denn die Marmor- 
brüche von Luna, dem jetzigen Carrara, sind erst zu Anfang 
der römischen Kaiserzeit entdeckt worden. In andern Mate- 
rialien aber war die Kunstthätigkeit der Etrusker eine aufser- 
ordentlich rege. Hauptsächlich blühte das Kunstgewerbe, 
dessen Erzeugnisse uns in grofsen Massen von Schmuckgegen- 
standen aus Erz, Gold, Silber, Elfenbein und von Thonvasen 
besonders in den wiederaufgedeckten Totenstätten (Nekropolen) 
erhalten sind. Bei Tarquinii, dem heutigen Corneto, ist eine 
Nekropolis entdeckt worden, deren Ausdehnung man auf 
sechzehn Quadratmeilen S) berechnet und die Gesamtzahl 
der Gräber auf zwei Millionen. Auch zahlreiche Gemälde 
beweisen hier die Lust an künstlerischem Schmuck. Alle er- 
haltenen und wieder zu Tage geförderten Werke zeigen die 
etruskische Kunst anfänglich und bis zum Ende des sechsten 
jahrhunderts unter dem Einilufs des phantastischen Orients, 
dem die Etrusker nach der neuesten Ansicht entstammen") 
und mit dem sie in lebhaftem Handelsverkehr waren w); all- 
inählich tritt dieser mehr und mehr zurück vor griechischem 
Eintlusse. S0 sehr aber auch letzterer zunimmt, so bewahren 
die etruskischen Werke doch immer etwas Eigenartiges, eine 
grofse Nüchternheit der Auffassung, eine gewisse Schwerfällig- 
keit der Formgebung und einen ausgesprochenen Realismus 
der Darstellung, der sich nicht scheut, auch das Häfsliche 
naturgetreu wiederzugeben 11). 
"Die Römer sind in dieser ältesten Periode, wie schon die 
kapitolinische Wölfin zeigt, durchaus in Abhängigkeit von den 
Etruskern; ja, sie scheinen die wenigen Kunstwerke, von denen 
in ihrer Geschichte die Rede ist, geradezu von den Etruskern 
bezogen zu haben. Sicher ist dies von der schon erwähnten 
Kolossalstatue, mit welcher der von den Tarquiniern gebaute 
Tempel des ]upiter auf dem Kapitol geschmückt wurde. Sie 
war das Werk des Volcanius aus Veji und stellte den Gott 
thronend dar. Sie war aus Thon gebildet und mit rotem 
Anstrich versehen, der öfters erneuert wurde. lm Haar trug 
der kapitolinische Jupiter einen bronzenen Eichenkranz, der 
Leib war in ein gesticktes Gewand gehüllt. Aus Thon war 
auch das Viergespann, das den kapitolinischen Tempel krönte.
        

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