Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227704
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Die griechische Kunst. 
Pelopion mit seinem Thorbau, links davon das stattliche He- 
raion, bei dem sich uns die hypäthrale Beleuchtungsweise 
deutlich zeigt. In der linken Ecke ist der Rundbau des 
Philippeion, von dem aus wir die Altismauer sich zum Pro- 
zessionsthore erstrecken sehen. Auf dieser Mauer sowohl wie 
überall sonst erblicken wir zahllose Statuen aufgestellt, am 
dichtesten in der Nähe des Zeustempels, dem wir noch einen 
besonderen Besuch abstatten wollen. 
Der Zenstempel (Taf. 17, Fig. 8 u. 9), an dessen Stelle 
in alter Zeit neben verschiedenen Altären anderer Gottheiten 
ein bescheidenes Heiligtum des Zeus gestanden hatte, wtirde 
etwa ums Jahr 470 v. Chr. begonnen und binnen fünfzehn 
Jahren gebaut von dem Eleer Libon. Das Material ist ein 
in der Nähe gebrochener Kalkstein. Auf drei Stufen von je 
0,5 m Höhe, an Stelle deren nach Osten zu eine quadratische 
Plattform mit Aufgangsstufen vorgelegt ist, erhebt sich der 
64,10 x 27,72 m grofse Bau. Es ist ein aus Pronaos, 
Naos und Opisthodomos bestehender doppelter Antentempel, 
umgeben von einer dorischen Säulenhalle, die sechs Säulen 
an den Schmalseiten, dreizehn an den Langseiten hat. Die 
äufseren Metopen besafsen keinen plastischen Schmuck (in- 
sofern ist Fig. 9 falsch, aber Fig. 2 zeigt ein richtiges Bild), 
waren aber wahrscheinlich mit Malerei geziert. Das Dach 
war  doch wohl erst in späterer Zeit  mit Marmorziegeln 
gedeckt. Die Ecken der Giebel trugen grofse eherne Drei- 
füfse, der First jedenfalls auf der einen Seite eine goldene 
Siegesgöttin. Die Giebeldreiecke selbst waren auf beiden 
Seiten mit umfangreichen Gruppen geschmückt, von denen 
uns ansehnliche Reste, leider aber in sehr trümmerhaftem Zu- 
stande, erhalten sind. Das östliche Giebelfeld (Taf. 18, 
Fig. 4) zeigte den Rofswettkampf des Pelops und Oinomaos, 
unmittelbar vor dem Beginn des Wettlaufs. König Oinomaos 
von Pisa wollte sein einziges Kind, Hippodameia, nur an 
denjenigen vermählen, der ihn selbst in einem Wettfahren be- 
siegen würde. Wer ihm gegenüber unterliege, sollte sein Leben 
verlieren. Nachdem dreizehn Freier ihre Kühnheit mit dem 
Tode gebüfst hatten, erschien Pelops, des Tantalos Sohn, aus 
Lydien als Bewerber und verschaffte sich durch Bestechung 
von Oinomaos' Wagenlenker den Sieg. S0 wird Pelops Ge- 
mahl der Hippodameia und Herr des später nach ihm be- 
nannten Landes. Die Giebelgruppe, welche diesen Kampf 
veranschaulichte, war wohl so geordnet, dafs in der Mitte Zeus, 
wahrscheinlich als unsichtbar gedacht, aufrecht stand, rechts 
von ihm Oinomaos mit seinem Weibe Sterope, links vielleicht 
Pelops und Hippodameia. Darauf folgten beiderseits vier
        

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