Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227660
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griechische Kunst. 
Die 
Prytaneion  des Verwaltungsgebäudes, das so oft durch 
Umbauten verändert worden ist, dafs seine ursprüngliche Form 
sich nicht mehr feststellen läfst. Da, wo genau bei den Buch- 
staben PR ein Quadrat ausgeschieden ist, war vermutlich die 
Kapelle der Hestia mit dem blofs aus Asche bestehenden 
Staatsherd von Olympia. In einem der gröfseren Räume 
wurden die olympischen Sieger von Staats wegen mit einem 
Festessen bewirtet. Hierauf weisen eine grofse Zahl Teller, 
Dreifüfse und sonstiges Küchen- und Slaeisegerät hin, das man 
innerhalb dieser Mauern gefunden hat, 
An die Südostecke des Prytaneions grenzt mit seiner 
Nordostecke der Tempel der Hera  von dem Fig. 5 
einen gröfseren Grundrifs giebt. Dieser Tempel, dessen Ent- 
stehung ins achte Jahrhundert v. Chr. gesetzt wird, ist der älteste, 
in hellenischer Bauform auf dem griechischen Festlande aufge- 
führte Tempel, von dem sich noch ansehnliche Reste linden. Er 
mifst 50 m in der Länge, 18,75 m in der Breite und war von 
I6 : 6 dorischen Säulen umgeben. Innerhalb der Säulenhalle ist 
die Cella als templum in antis (S. 58) behandelt, mit Pronaos 
und Opisthodomos. Das Innere der Cella war durch zweimal 
acht Säulen in drei Schiffe geteilt und diente zahlreichen kost- 
baren Weihgeschenken als Aufbewahrungsort. Hier wurde 
auch die herrliche Statue des Hermes gefunden (Taf. 18, 
Fig. 3 und S. 120). Das Heraion ist ursprünglich ein Holz- 
bau gewesen, ja, selbst zur Zeit der Zerstörung scheint das 
ganze Gebälk aus Holz bestanden zu haben, das mit ge- 
brannten Thonplatten (Terrakotten) bekleidetll") war. Dafür 
spricht schon der weite Abstand der Säulen. Dafs aber auch 
diese einst aus Holz gewesen sind, beweist der Bericht des 
Pausanias, dafs noch zu seiner Zeit (Mitte des zweiten Jahr- 
hunderts n. Chr.) die eine Säule aus Holz gewesen sei, und 
die wunderliche Thatsache, dafs alle die in Resten erhaltenen 
Steinsäulen in Mafs und Form verschieden sind, so dafs man 
annehmen mufs, sie seien, je nachdem die Holzsäulen verfault 
oder geborsten waren, allmählich, zu den verschiedensten 
Zeiten, an die Stelle derselben getreten. Auch von dem Dache 
des Heraion (Taf. 17, Fig. 6) wurden noch interessante 
Überreste entdeckt, die ältesten, welche von einem Ziegeldache 
erhalten sind. Unmittelbar auf den Sparren ruhten die 59 cm 
breiten, Hachgebogenen Regenziegeln, welche seitlich neben- 
einander gelegt sind, nach oben hin etwas übereinander greifen. 
Die Fugen sind gedeckt durch ebenfalls übereinandergreifende 
Deckziegeln, welche die Form eines Halbcylinders haben; 
die letzte unten ist durch eine Scheibe geschlossen. Ähnliche 
Hohlziegeln deckten den First. An den Giebeln waren oben
        

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