Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227638
Kap 
Olympia. 
161 
Vor der Westseite der Altis nach Norden befand sieh das nur 
zum geringen Teile ausgegrabene Gymnasium  dessen 
östliche zweischiffige Halle eine Breite von 11,30 m und eine 
Länge von 210,50 m hatte. Die Säulen sind, wie auch bei 
der im Süden sich anscliliefsenden Halle, dorisch. Das grofse 
Thor  welches zwischen Gymnasium und der südlicher 
liegenden Palästra (PA) eingefügt ist, gehört erst der römi- 
sehen Zeit an, die überhaupt Gefallen daran fand, durch Solche 
dekorative Bauten die Pracht des Platzes zu erhöhen. Die 
Palästra hat als Hauptraum einen grofsen Säulenhof. Die 
daran grenzenden Hallen haben eine Länge von genau einem 
Stadion 2 185 m. Die Bestimmung der hinter den Hallen 
ringsum laufenden Räume läfst sich im einzelnen nicht nach- 
weisen, ebenso wenig der Zweck des im nördlichen Teile des 
Hofes belegenen mit Thonfiiefsen gepüasterten Streifens. Von 
der südlich sich anschließenden Gruppe von Gebäuden hält 
man allgemein das mittlere (TH) für den Theoko- 
leon, die Wohnung der olympischen Priesterschaft, der Theo- 
kolen. Es scheint, dafs später-hin, als mit der zunehmenden 
Bedeutung der Spiele alle Ansprüche wuchsen, der Theoko- 
leon nach Osten zu durch Anbauten erweitert wurde, die auf 
dem Grundrifs durch matte parallele Striche bezeichnet sind. 
Nach Westen zu aber liegt ein selbständiges Gebäude mit 
besonderer Bestimmung. Es ist das Heroon, von dem wir 
Fig. 3 einen vergröfseiten Grundrifs geben. Der Bau mifst 
15,20 in im Quadrat. Auf der Nordseite ist ein kleineres 
Quadrat von 10,10 m Seitenlänge abgetrennt, in dem ein kreis- 
förmiger Hof liegt, zu dem man von Westen her durch eine 
Vorhalle gelangt. An der Südseite dieses Kreises findet sich 
ein kleiner Altar, der nur aus harter, mit Aschen- und Kohlen- 
teilen vermengter Erde bestand und oben mit einer Ziegel- 
schicht bedeckt war. Die Seiten dieses würfelförmigen Altars 
waren abgetüncht und einfach mit Zweigen bemalt,_ über denen 
das Wort Heroor (elische Form für heroos) geschrieben stand. 
Wahrscheinlich ist damit der Seher Iamos gemeint, dessen 
Nachkommen nebst den Klytiaden die höchsten Stellen in der 
olympischen Priesterschaft bekleideten. O_b auch der südlich 
gelegene Bau zu der Priesterschaft in Beziehung stand, etwa 
deren Versammlungsraum war, läfSf SiCh HICht bestimmt sagen. 
Es ist ein Vorraum mit einem Wasserbecken in der Mitte, 
hinter dem ein dreischiffiger Raum liegt. Die spätere christ- 
liche Gemeinde in Olympia fand diesen für geeignet, ihn in 
eine Kirche umzuwandeln und erbaute südwestlich davon eine 
kleine Halle. Manche haben in dieser "byzantinischen Kirche" 
die ursprüngliche Werkstätte des Pheidias sehen wollen, 
Menge, Antike Kunst. 2. Aufl. 11
        

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