Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227617
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drei Gorgonen, war der Sage nach eine schöne, im reichsten 
Lockenschmucke prangende Jungfrau, welche im Übermut sich 
gegen Athene vergangen hatte. Die Göttin rächte die Belei- 
digung, indem sie ihre Haare in Schlangen verwandelte und 
später dem Perseus behilflich war, die Medusa im Schlafe zu 
enthaupten. Wie überhaupt die drei Gorgonen, so übte auch 
die Medusa, selbst nach ihrem Tode, auf jeden, der ihr Ge- 
sicht erblickte, versteinernde Wirkung aus. So wurde es denn 
vielfach in Nachahmungen benutzt als Apotropaion, als ein 
Mittel, vor Feindseligkeiten und vor bösem Blick zu schützen. 
Als solches behndet es sich auf allerlei Waffen, besonders auf 
Schilden, die man dem Feinde entgegenhielt, an Thoren und 
Mauern. In alter Zeit stellte man das Gesicht der Medusa, 
damit es auch auf den Beschauer abschreckend wirke, in 
furchtbarer Häfslichkeit dar. Erst der spätern Kunst, welche 
mehr dem Schönen zustrebte, gelang es, das Furchtbare mit 
mit dem Schönen zu vereinen, so in der jetzt in München 
befindlichen, nach ihrem früheren Aufbewahrungsort so ge- 
nannten Medusa Rondanini, von welcher Taf. 23, Fig. 8 
eine Abbildung bietet. Das Gesicht ist regelmäfsig und schön, 
nur etwas breit. Wie es bestimmt ist, andere zu versteinern, 
so scheint es selbst von der Erstarrung des Todes ergriffen 
zu sein. Eine unheimliche Kälte blickt uns aus diesen Augen 
entgegen. Äufserlich wird die Furchtbarkeit erhöht durch 
die im Munde sichtbaren Zähne, durch die aus dem umlock- 
ten Haupte heraus und um das Gesicht sich herumringelnden 
Schlangen. Die Flügel sind von der ganzen Gestalt, die in 
der Kunst gefiügelt dargestellt wurde, hier auf die Maske über- 
tra en. 
g Die höchste Stufe dieser Entwickelung bezeichnet die 
Medusa Ludovisi (Taf. 23, Fig. 9). Sie hat keine Flügel, 
auch keine Schlangen im Haar, aber dieses selbst erinnert 
durch seine wellenförmigen, zugespitzten Strähne, die in 
wirrer Unordnung das Haupt, man möchte sagen, umzücken, 
an Schlangen, ja fast an den Blitzßl) Das Gesicht ist im Proül 
gegeben; es ist schön, aber von eisiger Kälte. Die Stirne 
ist kräftig gewölbt, die Nase edel, der Mund Voll, aber wie 
zu Hohn verzogen. Sonst sind die Züge des Gesichts regungs- 
los; ja das Auge, der Spiegel der Seele, 1st geschlossen. (Dies 
ist freilich auf dem Holzschnitt nicht zu erkennen.) So er- 
scheint das Weib tot, versteinert; und der Anblick des kör- 
perlich schönen Kopfes wirkt abstofsend, weil seelischer Aug- 
Clruck ihm fehlt. 
Rückblick. Wie mehrfach angedeutet, ist die Plastik 
dieser Zeit, wenn sie auch an ihren früheren Pilegestätten dar-
        

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