Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227595
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Bis 
Griechentulns im 
Aufgehen des 
Römertunx. 
157 
etwas hinaufgezogen ist. Das gescheitelte Haar fällt in an- 
mutigen Wellen bis in die Stirn herein und zieht sich dann, 
ein um den Kopf gelegtesHaarband fast verbergend, nach 
dem Hinterkopfe, wo es kunstvoll verknotet ist. Dieses 
Schönste Weib, das wohl je ein Künstler geschaffen hat, ist 
in seiner Erscheinung so hehr und rein, dafs wir erkennen, 
der Künstler hat eine von irdischen Schwächen freie, in 
ruhiger Selbstgenügsamkeit anbetungswürdige Göttin gestalten 
wollen.  
Das folgende Bild (Taf. 23, Fig. 6 und 7) zeigt den be- 
rühmten Apollon vom Belvedere, der seinen Namen führt 
nach dem "Belvedere" heifsenden Raum des Vatikans zu 
Rom, in dem er aufgestellt ist. Der vorgetretene, mit einer 
Chlamys bekleidete Gott hält mit der linken Hand nach vorn 
die auf unserer Abbildung zugefügte, fast allgemein als zuge- 
hörig anerkannte 39) Ägis. Auch die Entstehung dieses Kunst- 
werkes wird mit dem Zuge der Gallier nach dem Osten in 
Zusammenhang gebracht. Als diese im Jahre 278 v. Chr., 
bevor sie nach Kleinasien übergingen, Griechenland heimsuch- 
ten, unternahmen sie, wie vordem auch die Perser, einen 
Plünderungszug gegen den reichen Tempel von Delphi. Die 
Delphier waren entschlossen, mit Aufgebot aller ihrer Kräfte 
ihr Heiligtum zu schützen, hielten es aber doch für geraten, 
die Ternpelschätze zu flüchten. Da verbot dieses ein Orakel, 
welches verkündete, der Gott selbst werde Sorge tragen und 
die weifsen Jungfrauen. Und wirklich, als die {feindlichen 
Haufen in dem schwer zugänglichen T hale aufwärts stiegen, 
da entlud sich ein furchtbarer Gewittersturm mit Blitz, Donner, 
Schnee und Hagel. Felsblöcke stürzten herab und entwurzel- 
ten Bäurne, also dafs die Feinde, von panischem Schrecken 
ergriffen, grofsenteils erlagen und nur wenige entkamen. Die 
Delphier aber wufsten zu erzählen, dafs Apollon selbst durch 
die Dachöffnung seines Tempels herabgekommen sei und die 
Feinde bekämpft habe. Dieser Sieg rief S0 allgemeine Be- 
geisterung in Griechenland hervor, dafs vollflen verschieden- 
Sten Staaten Siegesweihgeschenke nach Delphl gestiftet Wurden, 
Solch ein Weihgeschenk ist vielleicht auch das Original Zu 
dem Apollon vom Belvedere. Der Künstler stellt hier den 
Gott in dem Momente dar, wo er selbSt in den Kampf ein- 
greift. Apollon hat vom Vater Zeus, wie es auch im fünf- 
zehnten Buche der llias geschildert wird, die furchtbare Ägis 
empfangen und eilt so nach dem Schlachtfelde. Der feind- 
hchen Front gegenüber nimmt er Stellung, mit dem rechten 
Fufse fest auftretend. Mit der linken Hand streckt er zunächst 
dem äufsersten rechten Flügel die grausige, unheimlich wir-
        

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