Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227550
Kap 
211111 
Bi 
s 
Aufgehen 
Griechentums im Römertunl. 
des 
153 
windet. Wer sind diese Gegner? Die rechts folgende Ge- 
stalt, welche die mit einem Fell umwickelte Linke zum Schutz 
vorstreckt, mit der (nicht erhaltenen) Rechten zum Wurf aus- 
holt, giebt unsAntrvort. Während sie nach oben menschlich er- 
scheint, läuft ihr Riesenleib nach unten in gewaltige Schlangen 
aus, die sich hochaufwindeti, um auch am Kampfe teil zu 
nehmen: ein Gigant ist es, gegen den Zeus mit drohend aus- 
gestreckter Rechten heranschreitet, während sein Adler, der 
auch im Streit ihm nahe bleibt, seine Krallen in den Rachen 
der einen Schlange geschlagen hat. 
Ahnlichen Inhalt zeigt die Athene-Gruppe (Taf. 22, 
Fig. 6). Athene, nur mit Schild und Helm bewaHnet, stürmt 
in die Feinde hinein. Zu ihrer Rechten ist ihr Gegner in die 
Kniee gestürzt; auch er ist ein Gigant, zwar auch, wie die zwei 
in der ersten Gruppe, in voller Menschengestalt, aber mit 
grofsen Flügeln versehen. Ihn hat Athenes Schlange erlegt, 
die wir uns so zu ergänzen haben, dafs sie sich um den zu- 
sammengebogenen rechten Unter- und Oberschenkel schlingt, 
dann sich  ähnlich wie bei Laokoonsä)  hinter seinem 
Rücken hinwindet, den linken Arm umringt, dann wieder, 
sich zurückwindend, an seiner rechten Seite erscheint und von 
hinten her in des Jünglings rechte Brust die giftigen Zähne 
einschlägt. Zugleich fafst ihn die im Siegeslauf heranstür- 
mende Göttin beim lockigen Haar; er umklammert, von der 
Qual der tötlichen Wunde gefoltert, mit seiner Linken ihre 
Hand und richtet mit schmerzlichem Ausdruck sein Gesicht 
empor; die Göttin wendet ihm ihr Antlitz zu, stürmt aber 
weiter. Doch war dies der letzte Widersacher, der ihr ent- 
gegen zu treten wagte: denn von rechts heran schwebt die 
geflügelte Nike, um sie mit dem Lorbeer zu bekränzen. Von 
unten aber steigt mit jammernder Geberde die Mutter der Gi- 
ganten, die lockenumwallte Ge (die Erdgöttin), mit halbem 
Leibe empor und streckt um Erbarmen flehend die Rechte der 
Göttin entgegen, während ihre Linke als ihr Attribut das Füll- 
horn, das Sinnbild der Fruchtbarkeit, trägt. Schon diese zwei 
Bilder lassen keinen Zweifel, dafs der Inhalt des Frieses die 
Gigantomachie war, die uns schon mehrmals als Gegenstand 
plastischer Darstellungen erschienen ist. Die beiden Gruppen, 
die wir eben betrachteten, dürften an hervorragender Stehe 
ihren Platz gehabt haben. Bis jetzt erscheint mit Sicherheit 
erwiesen, dal's sie an der Ostseite nahe bei einander ange- 
bracht waren. Nach dieser Seite hin Führt von der östlichen, 
aufwärts steigenden Strafse das Eingangsthor der Agora. Schritt 
man dann südwärts nach der Treppenseite des Altars zu, so 
erblickte man in der Nähe der Ecke die folgende Gruppe.
        

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