Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227508
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griechische Kunst. 
Die 
allerlei Getier angebracht, wie es auf dem Hochgebirge lebt 
oder durch die bacchische Feier dort zusammengeführt ist. 
Vorn an der rechten Seite aber sitzt eine jugendliche, eben- 
falls festlich mit Blumen geschmückte Gestalt, ausgezeichnet 
durch die Hirtenüöte, also ein Hirt, wie sie auf diesem Ge- 
birge heimisch sind; hatte ja ein Hirt auch einst die beiden 
Brüder bei sich aufgenommen. Durch seine Kleinheit wird 
er alsNebenfigur bezeichnet. Ob der Hund, der nach seiner 
Natur bei solch einem Vorgange selbstverständlich nicht ruhig 
bleiben kann, dem Hirten gehört oder den Iünglingen, läfst 
sich nicht entscheiden, ist auch nicht von Belang. 
 So löst sich bei näherem Eindringen das wilde Durch- 
einander, das auf fast allen Abbildungen diese Gruppe bietet, 
allmählich für den Beschauer auf, und er mufs „die lebens- 
volle Gewaltigkeit des grofsen Stieres, die athletische Ge- 
wandtheit der Brüder, den edeln und feinen Geschmack in der 
Behandlung der Gewänder, die grofse Wahrheit, die Kraft des 
Ausdrucks in allen Stellungen und Gestalten" 79) anerkennen.  
Antiope, die schöne Gewandstatue im Hintergrunde, die auf 
unserm Bilde nur wenig sichtbar ist, scheint auf den ersten 
Blick überflüssig; aber sie vervollständigt erst die Gruppe 
dem Inhalte nach und ist, da das grofse Werk vermutlich die 
Höhe einer Felspartie in einer Parkanlage krönte und somit 
bestimmt war, von allen Seiten gesehen zu werden, für die 
Hinterseite unentbehrlich.  Die Meister dieses Werkes waren 
Apollonios und. Tauriskos aus Tralles in Karien. Sie haben 
dasselbe für Rhodos geschaffen, wo sie wahrscheinlich auch 
gelebt haben. Den farnesischen Stier nennt man die Gruppe, 
weil sie nach ihrer Auffindung bis zum Iahre 1786 im Palast 
Farnese zu Rom aufgestellt war. 
 Der sterbende Gallier auf dem Kapitol. Taf. 23, 
Fig. 2 zeigt einen Mann mittleren Alters kraftlos niederge- 
sunken auf seinen Schild. Das rechte Bein ist angezogen, das 
linke matt ausgestreckt; der rechte Arm hält, etwas gekrümmt, 
den Oberkörper noch in schiefer Lage aufrecht, die linke 
Hand legt sich, der Bewegung des Oberkörpers folgend, schlaff 
aufden rechten Oberschenkel, das Haupt senkt sich schwer 
vorn. über, an ,der rechten Brust strömt aus tiefer Wunde Blut. 
Wir haben also einen sterbenden Kämpfer vor uns. Aber wer 
ist. CS9 Ein Hellene kann es nicht sein. Dagegen SpriCht 
zunächst das steife, struppige Haar des Kopfes, der Schnurr- 
bart, die mächtige Gestalt, die völlige Nacktheit, dann aber 
auch bei näherem Zusehen die so zu sagen dicke Oberhaut 
am ganzen Körper, (man betrachte nur die Bauchfalten und 
die Haut über den Rippen der rechten Seite) und die etwas
        

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