Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227497
Kap" 
Bis zum 
Aufgehen 
Römertum. 
Griechentums im 
des 
147 
lassen unberücksichtigt, dal's es viele Restaurationen hat be- 
stehen müssen. Amphion', der als solcher durch die Laute 
an dem Baumstamme zwischen seinen Beinen bezeichnet ist, 
hält mit Aufgebot aller Kraft das wilde, sich bäumende Tier 
noch an Horn und Schnauze fest, wie es zum Anlegen des 
Strickes nötig war. Zethos zieht den Strick noch an und wird 
sogleich mit raschem Schlung den Leib der Dirke am andern 
Ende befestigenTS), die, schon von dem Tiere bedroht, in der 
HoHnung, dafs sie vielleicht von dein milderen Amphion noch 
Rettung erlangen könne, mit der Linken fiehend dessen rechtes 
Bein umfafst. Es wird ihr nichts nützen. Im nächsten 
Moment lassen die Brüder, zur Seite springend, den Stier los, 
er fällt herab auf seine Füfse und dahin schleppt er die schlei- 
fende Last. rMit gröfster Kunst ist die Gruppe, wie gewalt- 
sam, in den Augenblick zusammengefafst, wo sie sich auf 
regelloseste, wildeste Art entfalten SOll.(4  
Die antiken Beschauer waren sich beim Anblick dieser 
Gruppe bewufst, dafs "sich hier ein gottgewolltes Verhängnis 
erfülle." Abgesehen davon war das Gräfsliche der Scene 
auch durch die Wahl des Momentes und die Art der Anord- 
nung wesentlich gemildert. Die Aufmerksamkeit wird vor 
allem auf die zwei Heldenjünglinge gerichtet, die 1m Wett- 
kampfe der Kraft mit dem wilden Tiere die pyramidal an- 
gelegte Gruppe vorn krönen. Arnphion steht so kühn auf den 
Felsenriifen, dafs er selbst ein Opfer der für die Mutter ge- 
suchten Rache werden kann. Zu dem Stier und dem Bruder- 
paare wird der Blick immer wieder von der rührenden Gestalt 
der Dirke emporgelenkt. Und noch ist ja das Ungeheure nicht 
geschehen, noch lebt, noch fleht die Königin. Vielleißht 
lassen die Jünglinge sich noch erweichen. Doch nein; im 
Hintergrunde steht die so lange gekränkte und rnifshandelte 
Mutter; ihr mufs Recht werden. 
Auf die Betrachtung aller Einzelheiten können wir nicht 
eingehen, aber einiges mag erwähnt iwerden. Die Königin 
war, zur Festfeier, mit reichem Gewande angethan, das ihr 
aber in der Hast der Bewegung auf der rechten Seite bis zur 
Hüfte herabgefallen ist. Um ihren Hals trug sie ein Tierfell, 
wie es bei bacchischen Festen Sitte war; der Kopf desselben 
ist auf der linken Brust zu erblicken. Auch der Korb neben 
ihr deutet auf bacchische Festfeier, und ebenso das herabge- 
fallene Blumengewinde auf ihrer rechten Seite Die Natur 
des Berges ist auf der Basis durch unebenen Grund ange- 
deutet, mehr noch durch die hervortretenden Klippen, auf 
denen Arnphion steht, dessen leißhter Mantel durch den Wind 
der luftigen Höhe bewegt wird. Ringsum an der Basis ist 
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