Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227466
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Die griechische 
Kunst. 
VatßrS rcChten Unterschenkel samt dem rechten Knie des 
jüngeren Sohnes und ringelt sich dann rüCkWärtS 11m den 
rechten Oberschenkel des Vaters und ihren eigenen Leib und 
empor um die Arme des Knaben herum, dem sie unter dem 
rechten Arm den tödlichen Bifs versetzt. Die andere Schlange 
hatte sich an dem jüngeren Knaben hinten vorüber nach dem 
Rücken des Vaters geschlängelt; dieser erfafst sie vergeblich, 
um sie von sich fern zu halten; sie schwingt sich an seinem 
Rücken hin, unter dem linken Arme hindurch nach dem rechten 
Arm des älteren Knaben, umschlingt diesen und fährt mit 
heftigem Bifs in die linke Hüfte des Vaters. Der Vater also und 
der jüngste Sohn sind nicht nur durch die Windungen der 
Ungeheuer völlig in ihrer Bewegung gehemmt, sondern sie 
haben auch das tödliche Gift in sich; der ältere Sohn ist 
nur wenig umstrickt und noch unversehrt. So ist es denn 
natürlich, dafs das schwächere Kind bereits widerstandslos er- 
liegt. Zwar hatte seine linke Hand zur Abwehr nach dem 
Kopfe der Schlange gegriffen, aber jetzt hat alle Handlung bei 
ihm aufgehört, todesmatt sinkt der Knabe zusammen und wird 
nur noch durch die Schlange aufrecht gehalten; das Auge 
bricht, der Geist entflieht den halbgeöffneten Lippen, die Ge- 
sichtszüge überzieht schon die Ruhe des Todes. Der unver- 
letzte ältere Sohn ist nur soweit von dem Ungeheuer um- 
schlungen, dafs er noch fliehen kann, wie er ja auch nach 
der ältesten Schilderung des Vorganges 75) dem Untergange 
entkommen ist; aber, wiewohl er mechanisch den rechten F ufs 
aufhebt und ihn vom Schlangenknoten zu befreien sucht, 
scheint er doch vor Entsetzen über seinen Vater, zu dem er 
erschüttert aufblickt, sich selbst und die Flucht zu vergessen. 
Während sein Bruder schon die Ruhe der Ohnmacht zeigt, 
finden wir hier die erst sich ankündigende Bewegung, aber 
die sich vorbereitende Anstrengung erlahmt aus Teilnahme 
für den unglücklichen Vater. So wird auch er eine Beute des 
Todes werden. Und wie ist der Vater aufzufassen? Beide 
Schlangen haben ihn umstrickt, so dafs er nicht mehr ent- 
kommen kann, die eine versetzt ihm den Bifs. Aber nicht 
ohne vorübergehenden schweren Kampf. Das sehen wir an 
seinen geschwollenen Muskeln, seinen hervortretenden Adern. 
Jedoch das Ringen der Sterblichen gegen die Macht göttlicher 
Ungeheuer-ist vergeblich. Trotzdem dafs er mit der Linken 
die Schlange am Hals gepackt hatte, um ihren Kopf von 
sich fern zu halten, hat sie sich durch die kraftvoll umschlies- 
sende Hand durchgezogen 75) und schlägt in seine zurückweichende 
Hüfte die giftigen Kiefern. Da ist seine Kraft erschöpft, die 
in seinen Gliedern noch nachklingende, so lange versuchte
        

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