Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227452
KaP' 
Bis zum 
Römertunl. 
Griechentums im 
des 
Aufgehen 
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verletzt, aber von Schrecken gebannt, sucht mit der Linken 
sich mechanisch aus den Verstrickungen zu lösen; seine Rechte 
und sein Antlitz sind teilnahmevoll seinem, nach schweren1 
Kampfe dem Verhängnisse erliegenclen Vater zugewandt. Die 
Mäntel beider Knaben sind infolge der heftigen Bewegung 
herabgefallen. 
Wir haben eine in sich geschlossene, freistehende, wenn 
auch wohl für-eine Nische bestimmte Gruppe vor uns. Die 
pyramidale Form, die bei Giebelgruppen wegen der Archi- 
tektur notwendig war, ist auch hier im wesentlichen beibe- 
halten und dadurch der Schwerpunkt in die Mitte gelegt. 
So ist denn auch der Vater, um ihn mehr hervorzuheben, im 
Verhältnis gröfser gebildet als die Söhne. Die Hauptlinien 
streben nach des Vaters Kopf, der unter dem Einflüsse des in 
der verwundeten linken Hüfte wühlenden Schmerzes nach der 
linken Seite gewandt und etwas zurückgeworfen fast genau 
über die Mittellinie des ganzen Körpers zu stehen kommt. 
Die beiden Knaben, deren Gröfse ihrem Alter entsprechend 
verschieden ist, sind durch geschickte Benutzung der Altar- 
stufen mit ihren Köpfen in gleiche Höhe gebracht worden. 
Die Einheit der Idee, die von einer Gruppe verlangt wird, 
ist im höchsten Mafse vorhanden: für seinen Frevel erliegt 
Laokoon mit seinem Geschlechte dem göttlichen Strafgerichte. 
Aber die Darstellung ist weit entfernt von Einförmigkeit; es 
klingen vielmehr drei verschiedene Momente zu einer Har- 
monie zusammen. Unvergleichlich schön sagt Goethe: nBei 
der Gruppe des Laokoon erregt das Leiden des Vaters Schrek- 
ken, und zwar im höchsten Grade: an ihm hat die Bild- 
hauerkunst ihr Höchstes gethan. Allein, teils um den Zirkel 
aller menschlichen Empfindung zu durchlaufen, teils um den 
heftigen Eindruck des Schreckens zu mildern, erregt sie Mit- 
leid für den Zustand des jüngeren Sohnes und Furcht für den 
älteren, indem sie für diesen auch noch Hoffnung übrig läfst. 
S0 brachten die Künstler durch Mannigfaltigkeit ein gewisses 
Gleichgewicht in ihre Arbeit, milderten und erhöhten Wirkung 
durch Wirkungen und vollendeten sowohl ein geistiges als ein 
sinnliches Ganzeß Und wie haben die Künstler es dem Be- 
schauer klar gemacht, dafs die drei Personen der Gruppe sieh 
in so verschiedenen Momenten des Leidens befinden können? 
Durch die Windungen, welche sie die Schlangen nehmen 
lassen, und durch deren Bisse. Die eine Schlange, welche 
rechts (vom Beschauer) herkam, hat sich zuerst auf den älteren 
Sohn gestürzt, hat dessen linken Fufs und ebenso, über den 
rechten Oberschenkel hin, des Vaters linken Unterschenkel 
umschlossen. Mit gewaltiger Windung Llmfafgt Sie darauf des
        

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