Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227426
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Kunst. 
Die griechische 
Der Baukunst kam indes diese Periode nicht Wenig zu 
gute. Die Pracht der Zeit ermöglichte eine reiche Entwicke- 
lung der korinthischen Ordnung; man machte Fortschritte in 
der wohnlichen Gestaltung der Häuser, indem man das Bessere, 
was die Fremde bot, nachahmte; man legte nicht selten ganze 
Städte nach einem vorher durchdachten Plane an. Aber von 
all dem ist wenig auf uns gekommen; fast nur aus der spa- 
teren Entwickelung der Baukunst im römischen Reiche sind 
Rückschlüsse auf diese Periode möglich. 
Die Plastik gedieh an verschiedenen Orten verschieden. 
Sie lag fast darnieder an den früheren-Pllegestätten dieser 
Kunst sowohl wie an den Höfen der meisten hellenistischen 
Fürsten, wenn selbstverständlich auch das Wohlgefallen, das 
der gebildete Grieche einmal an den Werken der Kunst hatte, 
und- das Bedürfnis, das ihm innewohnte, sich seine Umgebung 
anmutig zu gestalten, die Kunstübung am Leben erhielt. So 
wurde besonders auf dem Gebiete der Kleinkunst viel Treff- 
liches geleistet, aber durch inneren Wert hervorragende 
Leistungen wurden wenige geschaffen. Eine wirkliche Fort- 
entwicklung der Plastik findet sich dagegen in zwei Staaten, 
in deren einem der Freiheit noch eine Stätte gelassen war, 
während der andere durch schwere, aber siegreich bestandene 
Kämpfe aus der Gleichgiltigkeit und Betäubung herausge- 
rissen wurde, die sonst über der griechischen Welt zu liegen 
schien: es sind Rhodos und Pergamos, wo die Kunst sich 
zu einer zweiten, früher kaum geahnten Blüte erhob. 
Nil. Doch dürfen wir ein Werk, das zu den schönsten 
Erzeugnissen des Altertums gehört, wohl mit Recht einem 
alexandrinischen Künstler zur Zeit der Ptolemäer zuschreiben, 
nämlich die Statue, welche unter Taf. 21, Fig. 10 abgebildet 
ist. Wir erblicken eine mächtige Mannesgestalt, die bequem 
auf ihrem Gewande hingestreckt (vgLTaf. 15, Fig. 4) sich mit dem 
linken Arm auf einen gelagerten Sphinx stützt und mit der Hand 
ein grofses Füllhorn hält, während aus ihrer ausgestreckten, auf 
ein dem rechten Oberschenkel ruhenden Rechten ein Bündel 
fruchtschwerer Ähren herabhängt. Eine Anzahl kleiner, an- 
mutiger Kinder umspielt den Riesen, der durch die hinter 
dem Füllhorn an unsichtbarer Stelle hervorbrechende Quelle 
und das ihn rings umllutende Wasser als ein Flufsgott ge- 
kennzeichnet ist. Der Sphinx, das Symbol Agyptens, läfst 
uns in ihm den Nil erkennen. Die Verborgenheit des Ur- 
sprunges der hervorströrnenden Wasser ist vielleicht eine An- 
spielung auf die Unbekanntschaft der Nilquellen; Füllhorn und 
Ähren Weisen auf die Fruchtbarkeit des Flusses hin, die sech- 
zehn (teilweise ergänzten) Kinder, die ihn umspielen, sollen
        

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