Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227400
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Die 
griechische Kunst. 
ja, man wollte die menschliche Wirklichkeit selbst wiederge- 
geben sehen, und so entwickelten sich Genrebilder und Por- 
träts. Statt der ruhigen Stellung liebte man eine lebhaft 
erregte oder eine solche, die auf Bewegung schliefsen liefs. 
Wie man selbst voll innerer Leidenschaften war, sich bald 
heftigeren, bald sanfteren Gefühlen ganz hingab, so sollten 
auch in den Statuen solche Seelenstimmungen sich offenbaren, 
und so entwickelte erst während dieser Periode der Kopf, 
der früher als eigentlicher Träger des Seelenausdrucks etwas 
vernachlässigt worden war, seine volle Schönheit. 
So nähert sich zwar die Kunst dem Reinmenschlichen, 
aber deshalb verüacht sie nicht. ja, von wenigen Ausnahmen 
abgesehen, war die Richtung derselben, wiewohl nicht frei 
von einer Neigung zum Realistischen, doch im wesentlichen 
idealistisch. Wir verdanken dieser Zeit eine grofse An- 
zahl idealistischer Bildungen aus dem Kreise der Götter, und 
wenn auch die Porträtbildnerei die Ähnlichkeit als Hauptziel 
anstrebte, so bewahrte sich doch auch hier ein idealistischer 
Zug, indem man das, was den Eindruck des Schönen störte, 
zu unterdrücken wufste, soweit es nicht besonders charakte- 
ristisch für die Persönlichkeit war, oder im letzteren Falle 
es in harmonischer Weise für die Darstellung verwertete. Die 
Hauptsitze der bildenden Kunst in dieser Periode sind noch 
immer Athen, wo mehr in Marmor, und Sikyon, wo ausschliefs- 
lich in Erz geschaffen wurde. 
KAPITEL. 
FÜNFTES 
Die griechische Kunst vom Tode Alexanders des 
Grofsen bis zum Aufgehen des Griechentums 
im Römertum.  
Die politische Lage und die Kulturverhältnisse der öst- 
lichen Mittelmeerstaaten hatten sich während der Regierung 
Alexanders gewaltig verändert. Die griechischen Staaten, 
die vorher immer noch eine ansehnliche Machtstellung ein- 
genommen hatten, waren ihrer Selbständigkeit verlustig ge- 
gangen, waren in das grofse Weltreich eingeordnet worden. 
Nachher wurden sie die Beute der verschiedenen Feldherren, 
und die Freiheit wieder zu erlangen war ihnen nicht möglich. 
Scheinbar Würde das Griechenturn anders entschädigt; denn mit 
dem siegreich vordringenden Alexander eroberte griechische
        

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