Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227369
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griechische Kunst. 
Die 
König nur von diesem Künstler plastisch dargestellt sein 
wollte, ja sogar eine Verfügung dieses Inhaltes erliefs. 
Porträt Alexanders des G-rofsen im Louvre. Unwahr- 
scheinlich ist es daher, dafs das Bildnis, welches Taf. 21, Fig. 5 
wiedergiebt und das sicher Alexander d. Gr. vorstellt, auf 
Lysippos zurückgehe; denn mag es auch recht ähnlich sein, 
so ist es doch wenig schön. Auch hier ist der Hals geneigt, 
auch hier ist das Auge etwas klein, auch hier hat das Haar 
etwas Mähnenartiges, und der Gesamtausdruck ist durchaus 
nicht weichlich: gewifs hat der Verfertiger des Originals auch 
die Natur darzustellen gelernt; aber den schwärmerischen Zug 
des Helden vermissen wir, der Ausdruck des Kopfes ist 
nüchtern. Da Alexander, wenn er sich auch sonst von nie- 
mandem porträtieren lassen wollte, doch keinem verbieten 
konnte, ihn plastisch darzustellen, so ist dieses Bild Wohl auf 
irgend einen anderen Künstler jener Zeit zurückzuführen. 
Sophokles. Derselben Zeit etwa gehört auch die fol- 
gende Statue an (T'ai 21, Fig. 6), die nach ihrer Ahnlichkeit 
mit anderen beglaubigten Porträts des Sophokles unzweifelhaft 
diesen grofsen Dichter darstellt. Wir erblicken das über- 
lebensgrofse Bild eines schönen, würdigen Mannes in den 
kräftigsten Jahren. Er ist mit dem Vollgewicht seines Körpers 
auf das rechte Bein gestützt, während das linke vorgestreckt 
ist. Der linke Arm, vom Chiton umschlossen, ist mit vor- 
nehmer Leichtigkeit in die Hüfte gestemmt, die rechte Hand 
sieht aus dem über die Schulter geworfenen und einen Bausch 
bildenden Gewande bis zum Handgelenke hervor. Die heraus- 
tretenden Ellenbogen verleihen dem Bilde, indem sie den 
Oberkörper breiter erscheinen lassen, grofse Würde. Dadurch, 
dafs der linke Ellenbogen an der eingezogenen Seite des Körpers 
stärker hervortritt als der rechte, wird auch symmetrisches 
Gleichgewicht hergestellt. Von gröfster Schönheit ist der ein- 
fach edle Faltenwurf; indem bedeutende Falten von der linken 
Hüfte nach dem rechten Kniee sich ziehen, wird auch hier 
ein Gegengewicht gegen das vertretende linke Bein erreicht. 
Der ein wenig nach links gewandte Kopf ist etwas erhoben; 
mit sicherer Klarheit blicken die Augen hinaus. Die leicht 
gefurchte breite Stirn erzählt uns von den reichen Erfahrungen 
des gereiften Mannes. Sie wird von schlichtem Haar um- 
geben, dessen Behandlung an Erzstatuen erinnert; um den 
KOPf trägt er eine Binde. Zierlich angeordnet ist der volle 
Bart, der in schönen Locken nach vorn gelegt ist. Dem wohl- 
wollenden Ausdrucke des leise geöffneten Mundes mischt sich 
ernste Strenge bei durch die scharfen Linien, in denen der 
Bart der Oberlippe herabgeht. Der gesamte Ausdruck des
        

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