Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227320
und Zücbtigen sie, die Widerstand kaum wagen, mit komi- 
schem Eifer. Taf. 20, Fig. 10 zeigt uns einige dieser Züch- 
tigungsscenen. Der erste Satyr hat sich schnell einen Knüttel 
verschafft und seinen Gegner verfolgt, der rücklings auf den 
Felsgrund gefallen ist, und, bevor er noch eine richtige Stütze 
für seine Lage gefunden hat, die linke Hand tlehend aus- 
streckt. Aber es wird ihm nichts helfen, denn schon hat der 
von seinem Pantherfell umflatterte Gegner seine Waffe zum 
Schlage erhoben. Der zweite Satyr hat seinen Gegner nieder- 
geworfen, kniet auf ihm und vollzieht die Strafe. Der dritte 
Satyr hat noch keine Waffe, um den verfolgten Frevler ab- 
zustrafen. Während er sich von einem am Strande stehenden 
Baume hastig einen Ast loszureifsen such-t, gelingt es jenem, 
in das ihm vertraute Meer zu entkommen. Aber, 0 weh! der 
Rache des Gottes kann er auch hier nicht entgehen: er wird 
in einen Delphin verwandelt. Komisch ist das neue Gebilde 
und sinnvoll. Die obere Körperhälfte, die den Fluten zuerst 
sich nähert, zeigt schon die Gestalt des Fisches; bald werden 
auch die Füfse, die dem Festlande noch näher sind, sich in 
einen Fischschwanz verwandeln. Der folgende Satyr scheint 
seinem Gegner die Hände auf den Rücken gebunden zu 
haben und vollzieht so mit dem Prügel weiter sein Straf- 
amt. Auch die Schlange, die als dem Dionysos heilig vor- 
kommt, beteiligt sich nach unserer, an dieser Stelle stark er- 
gänzten, Abbildung an dem Strafakte. Sie hat einen der 
Räuber überfallen und teilweise umschlungen und beifst ihn 
in die Schulter, so dafs dem Unglücklichen vor Angst und 
Schreck die Haare emporsteigen. Doch das scheint einem 
der Satyrn noch nicht zu genügen. Mit brennender Fackel 
eilt er hinzu, um das Opfer völlig zu vernichten. Ähnlich, 
voller Laune und Geistreichtum, ist auch die andere Hälfte 
des Frieses. 
Bewundernswert ist die Kunst, mit der der Meister, ohne 
gegen die Vorstellungen von göttlicher Würde zu verstofsen, 
den Stoff so umgebildet hat, dafs er der plastischen Darstel- 
lung fähig wurde. Der ganze Vorgang ist in eine Anzahl von 
Emzelscenen aufgelöst, um für einen langgedehnten Fries Ver- 
wendung finden zu können. Mithin mufste er aber auch von 
dem Schiff ans Ufer verlegt werden. Wäre der Gott selbst als 
Löwe oder Panther erschienen, wie das ja der Dichter recht 
wohl schildern kann, so wäre er dem Beschauer durch nichts 
als Gott erkennbar gewesen. Hätte der Gott in eigener Ge- 
stalt dlß Strafe vollzogen, so wäre das gegen die göttliche 
Würde gewesen. Darum setzt der Künstler die Satyrn als 
Zwischenglieder ein, welche die Absichten ihres Herrn hurtig 

        

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