Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227274
Kap. 
ZLUD 
Bi 
s 
Gro fsen. 
Tode Alexanders des 
125 
geteilte Niobide Chiaramonti, so genannt nach dem Museo 
Chiaramonti, wo sie zu Rom im Vatikan aufbewahrt wird, 
Unwichtig ist es, dafs die römischen Niobide in mehreren 
Äusserlichkeiten abweicht, dafs die Armel nicht bis an die 
Handwurzel reichen, das Gewand nicht unten am Fufse zu- 
rückgeschlagen ist: die Hauptsache ist die äufserliche Behand- 
lung des Gewandes. Man merkt es an den Falten, dafs das 
Himation aus schwererem Stoffe besteht als der Chiton, dessen 
feines Gewebe besonders am linken Oberarm in wunderbarer 
Weise dargestellt ist. Aus den grofsen, tiefen Falten der un- 
tern Körperhälfte aber, welche bei der raschen Bewegung durch 
die Gegenströmung der Luft in das Gewand hineingewühlt sind 
und in scharfen Linien die Glieder umwehen, starrt uns förm- 
lich die Todesangst entgegen, von der das entsetzte Mädchen 
dahin gejagt wird. 
Taf. 19, Fig. 4 zeigt uns den Kopf der Niobe in ver- 
gröfsertem Mafsstabe. Welch ein Ausdruck im Gesichte der 
schmerzensreichen Mutter! Ein Seufzer scheint sich der Brust 
zu entringen, den Augen wollen die Thränen entquellen; die 
zusammengezogenen Augenbrauen kündigen die Schwere des 
herzzerreifsenden Leides: sie ist ja Mutter, sie ist Weib. Der 
eitle Trotz der Uberhebung ist geschwunden, aber Sie läfst 
sich nicht herab zu klagendem Flehen um Schonung und 
Gnade. Mit königlichem Sinn büfst sie die Rache der er- 
zürnten Göttin, deren Überlegenheit sie anerkennt; schweigend 
erträgt sie das namenlose Unglück: aber weinen darf sie, ohne 
sich zu entwürdigen; in Thränen löst sich ihr Schmerz auf, 
bis sie selbst erstarrt. 
Grabstein der Hegeso. (Taf. 20, Fig. 4.) Besonders 
zahlreich sind aus dieser Zeit attische Grabdenkmäler mit 
Reliefdarstellungen auf uns gekommen, die gröfstenteils bei 
der Aufdeckung des athenischen Friedhofs beim Dipylon ge- 
funden wurden. Natürlich sind es meist Arbeiten des Hand- 
werks, aber dieses schöpft seine Anregung bei der Kunst, und 
ist die Arbeit auch oft nicht sehr fein, so zeigen doch mehrere 
grofse Schönheit und Anmut. Der schönsten eines ist der 
Grabstein der Hegeso. Es ist eine Trapeza (S. 62), deren 
Umrahmung einen kleinen Tempel andeutet, dessen Giebel 
mit Akroterien geziert ist. Die den Fries vertretende Fläche 
trägt eine Inschrift, von der noch "HegeSO Proxeno" erkennbar 
ist. Die Verstorbene ist, wie Frauen meist, sitzend dargestellt. 
Sie hat, was sich auch sonst öfter findet, das Schmuckkäst- 
chen auf den Knieen, das eine Dienerin ihr dargereicht hat, 
und entnimmt demselben eine Schnur67), die ursprünglich 
durch Farbe angegeben war. Die reiche Gewandung und der
        

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