Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227211
Kill 
Tode Alexanders 
Bis zum 
Grofsen. 
des 
119 
nischen, höchsten Schönheit pflegte man ihn ähnlich wie hier 
in jugendlich anmutiger Blüte darzustellen. 
Satyr. (Taf. 20, Fig. 8.) Ein auf einen Baumstumpf 
gestützter jüngling mit einem Pantherfell über der Brust ruht 
gemächlich aus. Beim ersten Blick könnte man an einen 
Gott denken, und das Pantherfell leitet auf Dionysos, aber 
der Wenig göttliche Gesichtsausdruck läfst diese Vermutung 
zweifelhaft erscheinen, und die zugespitzten Ohren sagen uns, 
dafs wir nicht diesen Gott selbst, sondern einen aus seinem 
Gefolge, einen Satyr, vor uns haben. Dionysos, der Gott des 
Weinbaues nicht nur, sondern der ganzen zeugenden Natur 
mit all dem Segen ihrer Früchte, hatte in seiner Begleitung 
die mannigfaltigsten Gestalten, von halbgöttliclmer Bildung ab- 
wärts bis zu halbtierischer, Silene, Satyrn, Pane, Bacchan- 
tinnen u. s. W. Die Satyrn sind die derben Geister der 
Wälder und Berge, noch halbtierisch in ihrem Wesen, beson- 
ders an die Bocksnatur erinnernd, neckisch, schelmisch und 
lüstern. Teils schwärmen sie mit Dionysos, teils tollen und 
tanzen sie allein in den Wäldern und auf den Bergen umher, 
ttreiben ihr Wesen mit den Nymphen oder erfreuen sich an 
einer einsamen Quelle, deren Gemurmel und Geplätscher 
sie wohl auch auf der Flöte begleiten. In dieser letzten Lage 
sehen wir hier den Satyr vor uns. Durch den Baumstumpf 
ist in der kurz andeutenden Weise der Plastik der Wald als 
die Ortlichkeit der Vorganges bezeichnet. Auf diesen Stumpf 
stützt er sich kräftig mit dem rechten Arm, in der Hand die 
ergänzte Flöte haltend 60) die andere Hand ist behaglich in 
die Seite gestemmt, das rechte Bein berührt elastisch kaum 
die Erde, das linke ist zum Tragen bestimmt. Das Panther- 
fell kreuzt die Brust in einer Weise, dafs uns der blühende, 
naturfrische Körper möglichst wenig entzogen wird. Freilich 
zeigt dieser Körper weder die Feinheit und Zartheit der Durch- 
bildung wie der des edleren Apollon, noch etwa durch gym- 
nastische Ubungen kräftig entwickelte Formen. Aber offenbar 
mit weiser Absicht; denn beides würde dem Wesen des Sa- 
tyrs widersprechen, der in der freien Natur, in Wald und 
Feld ein müheloses Leben führt. Den sinnlich behaglichen 
Ausdruck des Gesichtes vermag der Holzschnitt nicht ganz 
zu veranschaulichen, ebensowenig die leise Andeutung tieri- 
schen Wesens in Nasen-, Wangen- und Augenbildung; wohl 
aber zeigt er dieses in den spitzen Ohren und den Haaren, 
die tief in die Stirne hereingewachsen sind, im übrigen aber 
in schönen, frei behandelten Locken das Haupt umgeben und 
in den Nacken fliefsen. Unser Satyr bietet trotz heiterer 
Schalkhaftigkeit und jugendlicher Frische das Bild behäbig-
        

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