Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227204
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Die griechische Kunst. 
pas, den Kaiser Augustus später auf dem Palatinus in dem 
von ihm begründeten Tempel des Apollo Palatinus oder 
Actius aufgestellt hatte; doch läfstijsich diese Ansicht nicht 
aufrecht erhalten 59). 
Apollon Sauroktonos. Taf. 20, Fig. 2 sehen wir einen 
schönen, an einen Baum gestützten Knaben, der einer am 
Stamm hinaufkriechenden Eidechse auflauert. Es würde wohl 
kaum möglich sein, dem Bilde eine weitere Deutung zu ge- 
ben, wenn uns nicht mehrfach überliefert wäre, dais Praxi- 
teles, ein jüngerer Zeitgenosse des Skopas, einen jugend- 
lichen Apollon gebildet hätte, der einer zu ihm heran- 
kriechenden Eidechse mit dem Pfeile aus der Nähe auf lauerte, 
weshalb er Sauroktonos, Eidechsentöter, genannt wurde. 
Es sind uns so viele diesen Gegenstand behandelnde, nur 
wenig voneinander abweichende Statuen erhalten, dafs an 
ihrer Beziehung zu diesem Erzwerk des Praxiteles nicht wohl 
gezweifelt werden kann. Einen jugendlichen Apollon also 
haben wir vor uns. In natürlicher Grazie ruht des noch fast 
knabenhaften Gottes schlanke Gestalt auf dem rechten Fufs. 
Wie er das Tierchen an dem Baume heraufkriechen sah, 
scheint er aus dem Verstecke, das ihm der Stamm gewährt 
hatte, leise vorgetreten zu sein. Sein linker Arm stützt sich 
auf einen Ast des Baumes. Der Oberkörper neigt sich der 
Haltung entsprechend links. Das Haupt des Gottes ist von 
lockigem Haar umspielt, das durch eine Binde zusammen- 
gehalten ist. Das vorgebeugte Gesicht lugt nach dem Tier- 
chen, das mit neugierig vorgestrecktem Kopfe herankriecht; 
die rechte Hand des Gottes ist bereit zum Stofse, im näch- 
sten Momente wird der Stachel die Eidechse treffen. Eine 
tiefere Idee, wie wir sie bis jetzt meist in Götterbildern fan- 
den, drückt der Sauroktonos nicht aus, auch ist nicht eine 
irgendwie bedeutsame Handlung wiedergegeben, sondern eine 
Scene aus dem Kleinleben, die jederzeit sich zutragen kann. 
Wir haben also ein Genrebild (s. S_ 76) vor uns. Dafs ein 
GOtt als 'l'räger der Handlung erscheint, dünkt uns wunder- 
bar; aber wie die griechischen Dichter, so liefsen auch die 
anderen griechischen Künstler zu jener Zeit die Götter gern 
in rein menschlichen Lagen und Handlungen, ja Spielen auf- 
treten, besonders Aphrodite, Dionysos, Eros, Ares, aber auch 
den ernsteren Apollon. Unser Bild zeigt uns, wie die Griechen 
den jugendlichen Apollon sich dachten. Apollon war ja ein 
SO Vlelseltlgöf Gott, dafs sein Gesamtwesen in einer einzigen 
Darstellung nicht ausgedrückt werden konnte. S0 haben sich 
denn verschiedene Typen entwickelt. Als Gott der harmo-
        

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