Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227193
Kap. 4. Bis zum Tode Alexanders des Grofsen. 117 
bekleidet, der durch seinen einfachen, aber anmutigen Falten- 
wurf in keuscher Weise die edeln Formen des Körpers hin- 
durchblicken läfst. Weiches Haar fliefst in schön geringel- 
ten Locken auf den Nacken herab und umrahmt das milde, 
Inadonnenartige Antlitz, das voll mütterlicher Zärtlichkeit sich 
dem Knaben zuneigt. Und mit gleicher Innigkeit und Liebe 
blickt der Kleine zu seiner Pflegerin auf und streckt in leb- 
hafter Bewegung voll kindlicher Zuneigung die Händchen zu 
ihr empor, wie um ihr Kinn zu streicheln. Es ist das erste 
Werk, wo seelenvolle Innigkeit und Wärme der Empfindung 
so deutlich, so weihevoll uns in Haltung und Gesicht ent- 
gegentreten, dafs Rührung und eine Art Ehrfurcht unser Herz 
überkommt. Zugleich ist es die erste freistehende, in sich 
abgeschlossene Gruppe, wo beide zu einem Ganzen vereinigte 
Gestalten nur füreinander da zu sein scheinen 53). 
Apollon Kitharoidos. Taf. 20, Fig. 1 ist eine mit 
weitem, wallendem Gewande umkleidete männliche Gestalt, 
die eine Kithara schlagend einherschreitet. Der Lorbeer, der 
das Haupt umkränzt, bezeichnet sie als Gott Apollon, den 
Geber des Gesanges, der hier selbst als Sänger erscheint, 
Das Gewand, Welches uns einen weibischen, weichlichen Ein- 
druck macht, war die herkömmliche Tracht der alten ioni- 
sehen, gottbegeisterten Sänger, welche, wie aus Homer be- 
kannt ist, zur Kithara oder Phorminx, dem mächtigsten, voll- 
sten und klangreichsten aller Instrumente, dieThaten, die 
Freuden und Leiden der Götter und Heroen-zu singen pfleg- 
ten. Das Gewand ist ein Ärmelchiton, der hoch oben an 
der Brust gegürtet talarförmig bis auf die Erde herabwallt 
und in seinen bewegten Falten ebenso wie der vom Rücken 
herabhängende Mantel das Vorwärtsschreiten des Gottes, das 
auch aus der Stellung seiner Füfse zu schliefsen ist, noch 
deutlicher bezeichnet. Die Formen des Körpers sind durch 
die Bekleidung hindurch zu erkennen. Die leise Neigung 
seines Hauptes und der schwärmerische Ausdruck des Ge- 
sichtes zeigen, wie er selbst von der Gewalt der Töne er- 
griffen ist, die er dem Instrumente entlockt. Das reiche Haar, 
das, am Hinterkopf gebunden, in Locken auf den Rücken 
hinabwallt, ist vom Lorbeer bekränzt, der von Delphi her 
dem Gotte heilig ist. Die Kithara ist mit einem breiten, von 
der rechten Schulter aus die Brust kreuzenden Bande be- 
festigt; mit beiden Händen greift der Gott in die Saiten des 
Instrumentes, das mit dem Bilde des aufgehängten Marsyas 
(nur die Füfse sind antik) verziert ist, der einst beim Wett- 
streit in der Musik von Apollon überwunden worden war. 
Das Bild galt lange als Nachahmung eines Apollon des Sko-
        

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