Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227165
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Kunst. 
Die griechische 
zeigt sich leidenschaftliche Kampfeslust in den ganzen Fi- 
guren, um so gröfser ist die Bewegung in der Handlung, 
die in den Hatternden Gewändern sich wirkungsvoll fortsetzt. 
Und welche Mannigfaltigkeit in den Stellungen wufste der 
Künstler auszusinnenl Das Ergreifende des Gegenstandes zu 
steigern, werden Weiber mit Kindern in den Armen darge- 
stellt; um so gräfslicher erscheint die Grausamkeit des Ken- 
tauren, der kein Erbarmen kennt. In den Bildern dieses 
Frieses, die abseits von den Brennpunkten griechischer Ge- 
sittung entstanden sind, lindet sich nicht das edle Mafs wie 
bei den Werken des Pheidias; der Künstler  sein Name 
läfst sich nicht mehr feststellen  schildert in grellen Zügen; 
entfesselte Leidenschaft und zugleich deren entschiedener 
Gegensatz, die rnitleidige Liebe, sind die Triebfedern der 
Handlungen, die sich wie in wildem Sturme hier abspielen. 
So tobt und wütet der Kampf in Wirklichkeit, nichts ist ver- 
schönert oder veredelt: die Darstellungsweise hat einen stark 
realistischen Zug. 
Rückblick. Wir stehen am Ende der zweiten Periode 
der griechischen Kunst, die so reich ist an innerer Entwicke- 
lung und an glanzvollen Leistungen wie keine Zeit vorher 
oder nachher. Für die Architektur war während dieser Zeit 
Athen der glänzende Mittelpunkt. Hier herrschte die gröfste 
Thätigkeit, um die Stadt ihrer Stellung gemäifs zu schmücken, 
hier gedieh diese Kunst zur edelsten Vollendung. Meist blieb 
die dorische Ordnung in Anwendung, aber ihre Formen wurden 
anmutiger, schlanker, leichter. Gleichzeitig entwickelte sich 
die ionische Ordnung zur edlen Würde, die sich treüflich mit der 
grofsen Lieblichkeit ihrer weicheren Formen paarte. In der 
Plastik hatten wir zwei Richtungen zu unterscheiden, die aber 
untereinander verwandt sind: bei der Bildung der Götter 
das Streben nach ruhiger Erhabenheit, bei der Bildung des 
Menschen das Streben nach vollendeter Schönheit. Von den 
Göttern werden daher diejenigen in unübertrefflicher Weise 
geschildert, zu deren Wesen Majestät und Hoheit gehört. Bei 
der Bildung von Menschen und menschenähnlichen Phantasie- 
wesen schuf man nicht gewisse Einzelgestalten, sondern den 
Menschen schlechthin oder eine bestimmte Gattung Menschen: 
Jünglinge, Männer, Greise, Amazonen, Athleten u. s. w., das 
heifst man schuf Typen der einzelnen Gattungen. Auch das 
Portrat mufste sich dieser Richtung fügen, indem alles Neben- 
sächliche unbeachtet blieb, das Einzelwesen mehr oder weniger 
ZUT Gattung Emporgehoben wurde. Mit einem Worte: die 
plastische Kunst dieser Periode ist, von wenigen Ausnahmen 
abgesehen, idealistisch, mag das dargestellte Wesen der
        

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