Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227117
Kap 
Bis 
Krieges. 
peloponnesischen 
zum Ende des 
109 
die Augen verschieden. Bei der ersten (Fig. 7) sind sie länger, 
aber minder weit geöffnet, die Winkel an der Nase sind spitz, 
die Augenlider springen weit hervor, die Augenbrauen ziehen 
sich im flachen Bogen darüber hin ; bei der andern (Fig, 3) 
ist das Auge runder, weiter geöffnet, die Winkel an der Nase 
sind abgerundet, die Augenbrauen sind kräftiger gebildet. 
Die Nasen sind bei beiden fast gleich, nur sind bei der Nea- 
peler die Nasenflügel stärker entwickelt. Die Wangen zeigen 
bei dieser geringere Fülle; die Ohren sitzen, wie das bei 
altertümlichen Bildern der Fall zu sein pflegt, etwas zu hoch. 
Bei der Hera Ludovisi zeigen die Wangen Rundung und Fülle, 
die Ohren befinden sich an der richtigen Stelle. Bei jener 
verleiht das unten eckig gebildete Kinn dem ganzen Gesicht 
trotz des, wie bei der Hera Ludovisi, leise geöffneten Mundes 
den Ausdruck des Herben, der noch durch die herabgezoge- 
nen Mundwinkel gesteigert wird. Bei dieser ist denMundivinkel 
anmutiger, das Kinn runder. Alle diese Unterschiede berech- 
tigen zu dem Schlusse, (lafs die Hera Farnese einer früheren 
Zeit angehöre, wo man, dem hohen Stil entsprechend, in Kult- 
bildern den Ernst der Göttlichkeit zum Ausdruck bringen 
wollte, die Hera Ludovisi dagegen einer späteren Zelt, die 
mit der unnahbaren Hoheit der Götterkönigin die Anmut und 
Milde des Weibes zu paaren wufste. „Indem der weibliche 
Gott, sagt Schiller von der Hera Ludovisi, unsere Anbetung 
heischt, enzündet das gottgleiche Weib unsere Liebe; aber 
indem wir uns der himmlischen Holdseligkeit aufgelöst hin- 
geben, schreckt die himmlische Selbstgenügsamkeit uns 
zurück." 
Über die Hera des Polykleitos. Die Hera Ludo- 
visi hat lange als die Nachbildung eines im Altertum viel- 
gepriesenen Werkes gegolten, nämlich der Hera des Polykleitos, 
Dieser war der Hauptvertreter der sikyonisch-argivischen Kunst- 
richtung. Als im Jahre 423 nach einem Brande der Tempel 
der argivischen Hera wieder aufgebaut wurde, erhielt er den 
Auftrag, das Kultbild für denselben aus Gold und Elfenbein 
zu machen. Es lag daher der Schlufs nahe, dafs das schönste 
uns erhaltene Bild der Hera, eben das der Villa Ludovisi, 
auf diese hochberühmte Schöpfung des Polykleitos zurück- 
gehe. Doch ist diese Annahme nunmehr wohl allgemein als 
Irrtum erkannt, da für den hohen Stil, der auch dem Poly- 
kleitos eigen war, dies Bild zu anmutvoll ist. Es ist wohl 
aus der attischen Schule einer späteren Zeit hervorgegangenü). 
Mit nicht viel gröfserer Wahrschernlichkeitü) nimmt 1113,11 
nähere Beziehungen der Hera Farnese zu der des Polykleitos 
Pin; eine unmittelbare Nachbildung kann sie jedenfalls nicht
        

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