Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227095
K313- 
des peloponnesischen Krieges. 
Bis zum Ende 
107 
Ägineten noch fanden, ohne dafs aber die dafür eintretende 
Anmut zur Weichlichkeit geworden wäre. Zugleich herrscht 
Naturwahrheit und Lebendigkeit, verbunden mit selbstbewufs- 
ter Mäfsigung, in den Werken seiner Schule. Das zeigt sich 
in den Giebelgruppen des Parthenon, wo die kräftige Schön- 
heit der männlichen Heroen wetteifert mit der edlen Anmut 
der Frauen; das zeigt sich in der gröfsten Zahl der Metopen, 
wo der Künstler halb tierische Phantasiegebilde zu förmlich 
organischen Wesen zu gestalten wufste, die sich trotz des Auf- 
gebotes ihrer tierischen Kraft in den Schranken schöner 
Mäfsigung bewegen; das zeigt sich vor allem endlich in dem 
figurenreichen Friese, wo die edle Form der zahllosen Ge- 
stalten höchstens von der Unerschöpflichkeit der Erfindung 
und der Weisheit der Anordnung übertroifen wird. 
Taf. 16, Fig. 5 bietet uns eine mit dem Helm bedeckte 
Büste, welche nach der erhaltenen Unterschrift den Perikles 
darstellt, den grofsen Staatsmann, dessen Hochherzigkeit, Ein- 
sicht und Energie Athen seine künstlerische wie seine poli- 
tische Bedeutung zu danken hat. Sein Gesicht zeigt weniger 
die gewaltige Thatkraft, als es die ideale Denkweise desgro- 
fsen Mannes wiederspiegelt. Indem der Kopf ein klein wenig 
nach links geneigt und gewandt ist, gewinnt er den Ausdruck 
sanfteren Gefühlslebens, der noch verstärkt wird durch den 
milden Blick der Augen und die weiche Bildung des Mundes. 
Das unter dem Helm hervorquellende Haupthaar 1st kurz ge- 
lockt, der Bart liegt flach an. Die langgestreckte Nase hat 
einen breiten Rücken und verläuft in die Stirne in fast unge- 
brochener Linie. Wir nennen dies das griechische Profil, 
indem wir hierin einen Gegensatz zu der bei uns gewöhn- 
lichen Gesichtsbildung finden, wo über der Nase ein Winkel 
ist. Diese Gestaltung des Prolils sowohl wie auch die glatten 
Wangen des Perikles sind nicht der Wirklichkeit entsprechend. 
Die Kunst der damaligen Zeit, die auch in der Nachbildung 
eines wirklichen Einzelmenschen (im Porträt) nicht die ge- 
meine Wirklichkeit darstellen wollte, verzichtete auf genaue 
Wiedergabe der körperlichen Erscheinung im Einzelnen. Dies 
gilt wohl auch von dieser Büste des Perikles, die wahrschein- 
lich auf Kresilas, einen Zeitgenossen des Pheidias und Perik- 
les, zurückgeht. Durch den Helm hat der Künstler hervor- 
gehoben, dafs Perikles Strateg war. Mit RCCht; verlieh ihm doch 
besonders dieses Amt die Macht, mit welcher er so lange Jahre 
den attischen Staat regierte. Späterer Humor freilich wufste 
zu erzählen, Perikles habe einen zu langen Kopf gehabt, und 
um diese Häfslichkeit zu verdecken, habe er sich im Helm 
darstellen lassen. 
        

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