Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1227083
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Kunst. 
Die griechische 
zeichen späterer Kunstübung, in der man es auf einen Haupt- 
effekt anlegte und Nachlässigkeiten an gewöhnlich nicht ge- 
sehenen Teilen nicht scheute. Ebenso widerspricht die freie 
Behandlung des Haares der Darstellungsweise des Pheidias. 
Man wird wohl der Wahrheit nahe kommen, wenn man die 
Entstehung dieses Kopfes in die Zeit Alexanders des Grofsen 
setzt53). Eine Nachbildung, die uns den thronenden Zeus 
des Pheidias vergegenwärtigte, ist leider in Statuen nicht 
erhalten. Beschrieben wird uns dieser folgendermaßen: er 
war wie die Parthenos aus Gold und Elfenbein gearbeitet und 
so gewaltig, dafs er mit dem Throne eine Höhe von etwa 
42 Fufs erreichte. Das Haupt des Gottes war mit einem Kranz 
von Olzsveigen geschmückt, auf der rechten Hand schwebte 
eine Siegesgöttin aus Gold und Elfenbein, in der Linken hielt 
er ein metallenes Scepter, auf dem sich ein Adler wiegte. Ein 
weiter Mantel bedeckte des Gottes linke Schulter nebst dem 
Arm und umhüllte den untern Teil seines Körpers. Der Thron 
selbst, ein bedeutendes Kunstwerk der Architektur, aus kost- 
barstem Material, Gold, Elfenbein, Edelgestein und Ebenholz 
gefertigt, war in sinnvollster Weise mit plastischem und gemal- 
tem Bilderschmuck verziert und stand auf einer ebenso prächtig 
geschmückten Basis. Ein schwaches Abbild zeigt uns die 
eleische Münze, Taf. 18, Fig. 1 unten. 
Uber Pheidias. So haben wir also kein Kunstwerk, 
das wir als von der Hand des grofsen Meisters Pheidias selbst 
herrührend bezeichnen könnten. Aber wir sind im Besitze so 
vieler Überreste von Werken, die seines Geistes Stempel tra- 
gen, dafs wir die Bedeutung des Mannes innerhalb der Ent- 
wickelung der griechischen Kunst einigermafsen zu würdigen 
vermögen. Er schuf in Statuen vorzüglich Götter, und zwar 
vor allem hoheitsvolle; er schuf diese Bilder aus frommem 
Sinne heraus in einer über irdische Majestät hinausgehenden 
Erhabenheit; er verlieh ihnen den Ausdruck sittlicher Würde, 
die in ihnen die Lenker des Weltalls und des Menschenschick- 
sals ahnen läfst. Er schuf sie aber zugleich mit gröfster 
Naturwahrheit der Formen; denn der höchste Geist bedarf 
zum Gefäfs eines kraft- und lebensvollen Körpers. Wie „edle 
Einfalt und stille Gröfse" der Charakter seiner Göttergestalten 
1st, so sind seine Schöpfungen überhaupt das Erhabenste, Ge- 
Waltigste und Reinste, was die Plastik je hervorgebracht hat. 
Pheidias ist der Meister des "hohen Stiles". Wie sich in 
Athen seit den Perserkriegen aus der ernsten Strenge, die vor- 
her in Leben und Bewegung geherrscht hatte, ungezwungene, 
aber mafsvolle Freiheit entwickelt hat, so hat sich in den 
Werken der Kunst die Starrheit verloren, die wir an den
        

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