Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226960
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Die 
griechische 
Kunst. 
zuversicht blickt der Gott seine Gegnerin an. Da läfst Athene 
aus ödem Gestein den Ölbaum spriesen, das Wahrzeichen der 
nährenden Fruchtbarkeit des gebirgigen Landes. Das Meer 
ist aber überall, der Olbaum ist ein durch Athenes Huld dem 
attischen Lande verliehenes Geschenk: der Göttin gehört da- 
her der Besitz der zukunftreichen Stätte. Erschreckt weicht 
Poseidon zurück nach rechts, siegesbewufst Athene nach links, 
in der Mitte ist der schlank emporgeschossene Olbaum. Diesen 
Moment, wo der Streit eben entschieden ist, hat der Künstler 
als den fruchtbarsten erwählt. Die Götter des Gefolges geben 
je nach ihrer Entfernung vom Mittelpunkte gröfsere oder ge- 
ringere Teilnahme und Erregung zu erkennen. 
Von all den Figuren ist nur Weniges gut erhalten; am 
besten die äufserste in der linken Ecke, die uns 'l'af. 15, Fig. 4 
zeigt. Auf felsigem Untergrund, den nur wenig der Mantel 
bedeckt, hatte sich der Mann dahingestreckt. Da dringt der Streit 
der Götter an sein Ohr. Langsam erhebt er sich aus seiner fast 
wagerechteil Lage, indem er sich auf den linken Arm stützt 
und den Oberkörper nach vorn beugt, um nach der Mitte hin 
zu schauen. Nachlässig hängt des Mantels einer Teil ihm über 
die linke Schulter, nach dem anderen, dessen Zipfel am rech- 
ten Kniee noch sichtbar ist, griff er vermutlich mit der nicht 
erhaltenen rechten Hand. Wir haben wohl einen Flufsgott 
vor uns, vermutlich den Kephissos, Attikas bedeutendsten F lufs, 
dem in der anderen Ecke der Ilissos und die vielbestmgene 
Quelle Kallirrhoe entsprachen. Durch diese Lokalgötter hatte 
der Künstler den Ort bezeichnet, wo der Vorgang spielte. Im 
Gegensatz zur Ruhe beim Dionysos im östlichen Giebel sehen 
wir hier eine flüssige Bewegung dargestellt, die also noch nicht 
ganz zum Abschlufs gekommen ist; das beweist der noch ge- 
bogene linke Arm, der im Zustande der darauf folgenden Ruhe 
steif sein würde. Die halb nach vorn geneigte Haltung des 
Körpers ermöglicht eine verschiedenartige Behandlung der 
beiden Seiten der Brust.  Ein schönes Zeichen für die echt 
künstlerische Hingebung des Meisters ist es, dafs die Giebel- 
statuen, wiewohl sie blofs von vorn erschaut werden konnten, 
doch auch an der Rückseite mit treuestem Fleifs aus- 
geführt sind. 
' Fries. Metopen und Giebelgrtiplaen waren der plastische 
Schmuck, der aufsen am Tempel sich fand. Trat man aber 
zwischen den Säulen hindurch in die Halle, so erblickte man 
oben an der Aufsenseite der die Tempelräume umschliefsen- 
den Wand eine neue Zierde, eine der umfangreichsten und 
grofsartigsten Kompositionen aller Zeiten, den kostbaren Fries 
nämlich, der in einer Länge von fast 160 m und in einer Höhe
        

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