Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226905
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Die griechische Kunst. 
der, der Bundesschatz, kostbare Geräte, sowie wichtige Ur- 
kunden aufbewahrt wurden. Es war ein einstöckiger Raum, 
ebenso breit wie die Cella, während die Tiefe etwa zwei Drittel 
der Breite betrug. Die Decke war von vier Säulen getragen, 
Gebälk und Kassetten waren von Stein, im übrigen war das 
Gemach schmucklos. Durch eine weite Thür gelangte man 
zu dem Opisthodomos, der dem Pronaos glich und wohl als 
Amtsraum derSchatzmeister diente.  Die Meister dieses Pracht- 
baues, der nach mehr als zwanzigjähriger Thätigkeit vor Er- 
richtung der Propyläen wohl im Jahre 438 v. Chr. vollendet 
wurde, sind Iktinos und Kallikrates. 
jetziger Zustand der Akropolis. Leider ist es uns 
nicht vergönnt noch die Herrlichkeit der Gebäude zu schauen, 
die in ihrer Vereinigung eine der vollendetsten Schöpfungen 
menschlicher Kunst waren (vgl. Taf. 13, Fig. 10). Denn viele 
widrige Ereignisse, besonders aber die Belagerung der Burg 
durch die Venetianer unter Morosini und Königsmark im jahre 
1687, haben grofse Verwüstungen angerichtet. Am 26. Sep- 
tember jenes Jahres fiel abends eine venetianische Bombe in 
den Parthenon gerade auf die Stelle, wo die Türken ihre Pul- 
vervorräte hatten: ein gewaltiger Krach, und der prächtige 
Tempel, der zuletzt als Moschee gedient hatte, bot ein Bild 
trauriger Zerstörung. Doch sind die erhaltenen Reste noch grofs- 
artig genug, um eine Vorstellung von seinem einstigen Glanze 
zu erwecken, zumal an der Westseite, die man beim Betreten 
der Burg zuerst erblickt. Hier stehen noch zahlreiche Säulen 
mit dem darüber hinlaufenden Gebälke, ja auch der Hinter- 
grund des Tympanon ragt noch empor; geringer sind die 
Reste an der Ostseite, spärlich sind sie in der Mitte. Vom 
Erechtheion steht noch vieles Mauerwerk, von der nördlichen 
Vorhalle mehrere Säulen, fünf Säulen auch von der Osthalle, 
am besten aber ist der Zustand der reizenden Karyatidenhalle, 
wenn auch hier manches in späterer Zeit ergänzt ist. Von den 
Propyläen endlich stehen noch zahlreiche Säulen, aber die 
prachtvolle Marmordecke, die Giebel, Dach und Gebälk sind 
fast spurlos verschwunden. 
Die Parthenonskulpturen. Bei der Besprechung der 
einzelnen Bauglieder und Räumlichkeiten des Parthenon ist 
schon angedeutet worden, dafs derselbe reich mit Skulptur- 
werken geschmückt war, von denen doch soviel auf uns gekom- 
men ist, dafs wir uns ein annähernd genaues Bild von der 
Herrlichkeit dieses Tempels machen können, zumal da von 
den meisten nicht erhaltenen Teilen auf der Pariser Biblio- 
thek Zeichnungen vorhanden Sind, welche der Maler Carrey, 
der im Gefolge eines französischen Gesandten sich längere
        

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