Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei
Person:
Zola, Emile Helferich, Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1222543
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1224489
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Zurückgreifen auf die köstliche Blüte unserer alten 
Messbücher und Kirchenfenster gefunden worden 
wäre. Vom Gesichtspunkt der Dekoration vor allem 
bin ich von dem Wiederaufwachen der Kunst in den 
Stoffen, den Möbeln, den Edelsteinen entzückt. Nicht 
etwa, dass bereits ein neuer Stil erschaffen worden 
wäre. Aber weil man daran ist, den auserlesenen 
Stil von einst bei den Gegenständen des täglichen 
Lebens wiederanzuwenden. 
Nur 
Gnade! 
keine 
Seelenmalerei. 
Nichts 
ist 
unangenehmer als die Malerei von Ideen. Mag ein 
Künstler einen Gedanken in einen Schädel setzen. 
Dann aber soll der Schädel fest und solide gemalt 
und von einer solchen Konstruktion sein, dass er 
den Jahrhunderten trotzen kann. Das Leben allein 
redet vom Leben, es leiten sich Schönheit und Wahr- 
heit nur aus der lebenden Natur her. In einer 
Kunst besonders, die gegenständlich wie die Malerei 
ist, wette ich, dass man einer Figur ihre Unsterblich- 
keit nicht erhält, wenn sie nicht menschlich ge- 
zeichnet und gemalt ist; sie mag so vereinfacht 
wie man will sein, doch die Logik ihrer Ana- 
tomie und die gesunde Proportion ihrer Glieder 
muss sie behalten. Welchem entsetzlichen Aufzug 
wohnen wir seit einiger Zeit bei; geschlechts- 
lose Jungfrauen, die nicht Busen noch Hüften haben, 
Mädchen, die fast Knaben sind, Knaben, die fast 
Mädchen sind, Larven von Geschöpfen, die aus den 
Grabtüchern steigen, durch bleiche Räume fliegen, in
        

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