Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die vier Elemente der Baukunst
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216431
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1217404
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Die Einrichtungen, welche die Vertheidigung der 
Niederlassungen erheischte, mussten zwar ihren Bau mo- 
diüciren, konnten aber, so lange sie Erfolg behielten, ihn 
nicht verhindern, sich aus sich heraus und selbständig zu 
gestalten. Anders verhielt es sich, als sie die Beute von 
Eroberern wurden.  
In dem befestigten Heerlager wuchs nun ein drittes 
Princip; Die Eroberungsheere bestanden aus den Söhnen 
der Hütten bewohnenden Stämme, und während sie sich 
um ihren Führer, nach Gesetzen der Subordination und 
Befestigungskunst in Feldlagern schaagrten, vereinigten sie 
ihre Hütten zu baulichen Formen, bei denen Regelmäfsig- 
keit, Uebersichtlichkeit, bequeme Gliederung und Festig- 
keit maafsgebend waren. 
Wenn so in der äufseren Gestaltung verwandt und 
ähnlich, waren doch beide Anlagen in ihren Grundsätzen 
sehr verschieden. 
Derselbe Unterschied, welcher zwischen einer auf 
reichen Grundbesitz oder priesterlicher Hierarchie gestütz- 
ten eingebornen und unbestrittenen Monarchie, und einem 
auf Eroberung begründeten militärischen Satrapendespo- 
tismus besteht, bekundet sich auch in ihren Werken. Die- 
ser Unterschied zeigt sich besonders deutlich (wie im- 
mer) in dem Gesetze ihres Wachsens. 
Die Gröfse des eingeborenen Herrn nimmt langsam 
zu, und mit dem wachsenden Bedürfniss Wächst sein 
Haus, theils durch angefügte Raumabschlüsse, theils und 
vornehmlich durch organische Entwickelung von Innen. 
Die Gröfse des Satrapen und Lehnsmannes dagegen 
ist ein Geschenk der Gnade und entsteht plötzlich. Sein 
Haus ist von vornherein für seinen hohen Stand fertig
        

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