Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die vier Elemente der Baukunst
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216431
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1217384
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nachdem 
der 
Lauf eines 
Flusses 
zu 
Niederlassungen 
lockt 
Doch ändern sich auch hier die Zustände; und in 
der Weise, wie das Gesetz der Vergrößerung und Be- 
festigung dieser Bauart sich formulirte, tritt ihre ganze 
Eigenthürnlichkeit hervor. 
Die Dächer schliefsen sich nämlich in freien und 1m- 
symmetrischen Gruppen aneinander, wo jeder Haupttheil 
sein eigenes Dach behält, oder zweitens, es bildet sich der 
Etagenbau, oder es findet drittens beides zugleich Statt. 
Sind die Niederlassungen angefochten durch ver- 
drängte Urbewohner, so bildet sich das Blockhaus, und 
wo Fehden unter den Stammesgenossen entstehen, wo der 
Besitz anfängt Preis des Stärkeren zu werden, dort ent- 
steht der Thurm, das auf hohem und festem Unterbaue 
errichtete Etagenhaus. Um den Thurmbewohner gruppi- 
ren sich Schutz suchend die schwächeren, der eigenen Kraft 
nicht trauenden Insassen, und die Schutzherrschaft be- 
ginnt. Immer bleibt Regellosigkeit der Anlage, schräges 
Dach, Etagenbau und Beleuchtung des Inneren durch in 
der Aufsenmauer angebrachte Fenster das Charakteristi- 
sche dieser Bauweise. Am ungemischtesten hat sie sich 
bis auf unsere Tage in den sächsischen Ansiedelungen, 
4') In den Gegenden Deutschlands, die gemischt von slavisclxen und 
deutschen Stämmen bewohnt sind, z. B. in Mecklenburg und Holstein, 
verräth sich der Stammesursprung der Ortschaften sogleich an ihrer Form: 
Alle deutschen Dörfer und Städte sind in langen Zeilen längs den Flüssen 
und Bächen erbaut und ohne Mauern. Die slavischen Ansiedelungen da- 
gegen erkennt man an der concentrischen Form, dem regelmäßigen Markt- 
platze in ihrer Mitte und den Ringmauern.
        

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