Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die vier Elemente der Baukunst
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216431
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1217288
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ihrer Farbenpracht und der Kunst der auf ihnen gewirk- 
ten phantastischen Darstellungen. Die Beschreibungen 
von mystischen Thieren, Drachen, Löwen, Tigern u. s. w., 
die auf ihnen dargestellt waren, stimmen vollkommen über- 
ein mit demjenigen, was wir noch heute auf den Wänden 
von Ninive sehen. Nicht blofs in den Gegenständen, son- 
dern auch in der Art der Behandlung würden wir eine 
vollständige Uebereinstimmimg erkennen, wenn uns die 
Vergleichung noch möglich wäre. 
Die assyrische Skulptur hat sich offenbar innerhalb 
der Schranken bewegt, welche ihr durch ihren Ursprung 
vorgezeichnet waren, wenn auch der fremde Stoff neue 
Mittel des Heraushebens der Gegenstände aus dem Grunde 
gestattete. Es zeigt sich ein Ringen nach Naturwahrheit, 
dessen Grenzen nicht durch hierarchischen Zwang, son- 
dern, neben despotischem Hofceremoniell, besonders durch 
die Laune einer der Skulptur fremden Technik gestellt 
waren, deren Reminiscenzen noch fortwirkten. Die Hal- 
tung der Figuren ist steif, aber nicht zu blofsem Schrift- 
zeichen erstarrt, sondern nur gefesselt. In ihrem Zusam- 
menwirken sind sie schon oder vielmehr noch bildliche 
Bearbeitungen einer berühmten geschichtlichen That oder 
einer Hofceremonie u. s. w., nicht wie die ägyptischen 
Bilder, einfach die Mittel zur Verewigung eines F actums, 
gemalte Chronik. Auch in der Anordnung, zum Beispiel 
in der Beobachtung gleicher Kopfhöhen, zeichnen sie sich 
vor letzteren aus. Scharfe fadenumzogene Umrisse, hart 
ausgedrücktes Muskelwerk, Vorherrschen des ornamenta- 
len Beiwerkes und der Stickereien, zeugen von ihrem 
Ursprunge und von Uebertreibung, aber nicht von todter 
Manier.  Die Köpfe zeigen nicht die geringste Spur
        

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