Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die vier Elemente der Baukunst
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216431
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1217242
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Zugleich ordneten 
Geschicklichkeiten der 
sich die verschiedenen technischen 
Menschen nach ihnen: die kera- 
mischen und späteren metallurgischen Arbeitet und Künste 
um den Herd, die Was s erarbeiten und Maurer ar- 
beiten 
um 
den 
Erdaufwurf, 
die 
Holzarbeiten 
um 
das 
Dach 
und dessen Zubehör. 
Welche Urtechnik 
entwickelte 
sich 
aber an der 
friedigung? Keine andere als die Kunst der Wand- 
bereiter, das ist der Mattenfieehter und Teppichwirker. 
Diese vielleicht befremdlich scheinende Behauptung 
muss näher motivirt werden. 
Es 
wurde 
vorhin 
der 
Schriftsteller 
erwähnt , 
die 
mit 
umständlicher Gründlichkeit sich den Untersuchungen über 
die Anfänge der Kunst hingeben und daraus die Ver- 
schiedenheiten des Bauwesens abzuleiten wissen. Eine 
nicht unwichtige Rolle spielt dabei das Zeltdach der N0- 
madenstämme. Während aber ihr Scharfsinn in der Ket- 
tenlinie 
des 
Zeltdaches 
die 
Norm 
der 
tartarisch  chinesi- 
sehen 
Bauweise 
erkennt 
(obschon 
dieselben 
Formen 
doch 
auch 
an 
den 
und 
Mützen 
Schuhen 
dieser Völker vorkom- 
men), übersehen sie den allgemeineren und weniger zwei- 
felhaften Einfluss, den der Teppich in seiner Eigenschaft 
als Wand, als vertikales Schutzmittel auf die Entfaltung 
gewisser Bauformen übte, so dass ich mit der Behaup- 
tung ohne Stütze irgend einer Autorität dazustehen glaube, 
dass der Teppichwand eine höchst wichtige Bedeutung 
in der allgemeinen Kunstgeschichte zukommt. 
Es ist bekannt, dass sich noch jetzt der erwachende 
Kunstsinn der in ihrer Kindheit befindlichen Völkerschaf- 
ten (selbst wenn sie noch ganz nackt gehen) an dem Flech- 
ten und Wirken der Matten und Decken früh bethätigt.
        

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