Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die vier Elemente der Baukunst
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216431
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216943
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Sollte die Erfüllung des Orakels gerade in der ersten 
und wichtigsten Bedingung an das Eintreffen einer ganz 
gewöhnlichen Erscheinung geknüpft gewesen sein? Un- 
möglich! Es ist nicht zu bezweifeln, dass der weifse 
Markt u. s. w., wenigstens zur Zeit der Orakelertheilung, 
den Gewohnheiten und dem Herkommen des Volkes nicht 
entsprach.  
Ja die Symmetrie des alten Spruches gestattet noch 
weitere Folgerungen: Es liegt nichts zu sehr Gewagtes in 
dem Schlusse, dass, da. an dem rothen Herold das stets 
weil's Erscheinende die ungewöhnliche röthliche Mennig- 
farbe fiihrt, der räthselhafte weifse Markt auch wieder das 
Gegenstück zu dem stets röthlioh Erscheinenden bildet. 
S0 weit wären wir, dass zur Zeit des Orakelspruches 
der weifse Markt und das weifse Prytaneion als Unge- 
reimtheiten erscheinen mussten. 
Bleibt noch die Beantwortung der wichtigen Frage 
übrig, ob mit der Gewohnheit, Gebäude aus weifsem Mar- 
mor zu bauen, eine gänzliche Umwälzung in den Sitten der 
Griechen erfolgte, so dass der alterthümliche Gebrauch des 
Bemalens der Werke auf einmal aufhörte, oder ob es nur 
ein zufälliges Zusammentreffen War, dass die Agora und 
das Prytaneion gerade zu der Zeit, wie die Samier mit 
ihren Schiffen eintrafen , sich weil's präsentirten. 
Sollten die Sifnier des ihnen verkündigten Verhäng- 
nisses und der daran geknüpften Erscheinungen so unein- 
gedenk gewesen sein, als sie den Vorsatz fassten, den 
Markt in parischem Marmor auszubauen, dass sie hätten 
damit die Absicht verbinden können, ihn, der Pythia zum 
Trotz, wirklich weifs zu lassen? 
        

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