Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die vier Elemente der Baukunst
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216431
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216798
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an ihnen neulichst entdeckten Abweichungen von der senk- 
rechten und horizontalen Richtung in den architektonischen 
Hauptlinien nebst neuen polychronien Details und einer 
farbigen Wiederherstellung der Akropolis durch Herrn 
Penrose sehen ihrer Veröffentlichung entgegen  
Die wichtigste Erscheinung in der Litteratur der Poly- 
ohromie wird aber ohne Zweifel das angekündigte neue 
Werk des Herrn Hittorf sein, das in schönen lithochromen 
Darstellungen 
eine 
Uebersicht 
der 
Geschichte 
der 
i) Je mehr es gelingt, den Einzelheiten in der hohen Vollendung 
dieser Schöpfungen auf die Spur zu kommen, desto mehr verlieren wir den 
Standpunkt ihres Verständnisses. 
Wir werden für die angeführte Eigenthümlichkeit an den attisch- 
dorischcn Tempeln, die übrigens für die senkrechten Axenrichtungen der 
Säulen schon früher bekannt war, für jetzt uns mit der Erklärung begnügen 
müssen, dass hier ein Hinüberwirken des malerischen Elementes in das Ge- 
biet des architektonischen Elementes stattfand; in so weit nämlich das I 
malerische Element in Augentäuschung besteht. Die Täuschung musste der 
Wirklichkeit behüldich sein, damit letztere durch Augentäuschung niüit an- 
ders scheine, als sie wirklich ist. Doch ging die Absicht wohl noch weiter 
hinaus. Es wurden durch das Senken der Endpunkte horizontaler Linien 
letztere scheinbar verlängert, wenn man vor der Mitte stand. Die sphärische 
Perspective erklärt diese Erscheinung. Dass die Convergenz verticaler Li- 
nien sie, von der Nähe und von Unten betrachtet, höher erscheinen macht,  
und ausserdem die sichtliche Festigkeit dabei gewinnt, ist auch verständlich.  ; 
Es ist übrigens dies keine isolirt stehende Erscheinung. An vieleni  
alten Kirchen, besonders an den romanischen Basiliken Mittelitaliens (Tosca-   
nella) bemerkt man eine Convergenz der horizontalen Linien nach einemi  
imaginären Verschwindungspunkte zu, und oft sogar ein Steigen des Bodens t 
und ein Sinken der Decke nach dem Altare hin. Dasselbe Princip findet sich  
in der schönen Kirche dell' Annnnziata in Genua angewendet. Der Palast  
Medici in Florenz hat eine leichte Ausbauchung der Faeade, die sie breiter i 
erscheinen macht, als sie ist. An der Architektur der Altarnischen findet sich i 
die Anwendung der scenischen Architektur am häufigsten. Bramante und  
seine Schüler bedienten sich ihrer mit Glück. Spätere Uebertreibungen  
brachten dieses sehr wirksame Mittel in Misscrczlit.
        

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