Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die vier Elemente der Baukunst
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216431
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216751
Die zur Bildsäule wiedererstarrte Schöpfung des Pro- 
metheus sollte ihm damals, durch den Ruf einer begeisterten 
Gegenwart erweckt, von farbigem Glanze umduftet, von 
ihrem Piedestale herab in unsere Mitte treten. Aber das 
herrliche Gebilde zerfliefst in abscheuliche Fratzen! Der 
Kluge, aus dem glücklichen Reiche der Mitte, verschliefst 
davor den Blick und leugnet die Erscheinung. Er kehrt in 
sein Antikencabinet zurück zu seiner weifsen Statue, die 
sich begreifen und befiihlen lässt, deren Schönheit er ana- 
tomisch zergliedern und ästhetisch motiviren kann; er be- 
weist daran, vor Damen und vor Herren, dass und warum 
die Griechen ein plastisches Volk waren, und giebt gele- 
gentlich zu, dass Helena einen bunten Saum am Kleide 
hatte. 
Der Redliche harrt vergeblich, dass das Bunte sich 
zu harmonischer Schöne gestalte. Er vermag es nicht, zu 
jenen alten Vorstellungen zurückzukehren, die durch die 
Trennung des Lebens von der Kunst, letzterer in unserer 
unharmonischen und unkünstlerischen Zeit, wenigstens eine 
Art von Sonderleben gestatteten. 
' Andererseits muss er verzichten, 
das 
Räthsel jemals 
gelöst zu sehen, wie das Ineinanderfliefsen aller bildenden 
Künste bei den Griechen auf eine Weise bewerkstelligt 
wurde, die der hohen Vollkommenheit entsprach, die wir 
an den nackten, vereinzelten und ihrer schwesterlichen 
Ausstattung beraubten Bruchstücken wahrnehmen, und wie 
dabei das Einzelne die Geltung behalten konnte, wozu es, 
vermöge seiner selbständigen Schöne, Berechtigung hatte. 
Bei barbarischen Monumentenist ihm Alles begreif- 
lich; dort wird die Harmonie durch das Aufgehen der 
unselbständigen Einzelheiten in die Gesammtidee erreicht.
        

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