Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die vier Elemente der Baukunst
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1216431
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1217622
94 
Mancherlei 
Einüüsse 
waren 
aber 
bei 
ihrer 
Entste- 
hung 
thätig. 
dünkt, man kann sie eben so richtig, oder eben so unrichtig als eine we- 
sentlich innerliche qualificiren. Der asiatische Peribolus bildet dabei eine 
drei bis viermal wiederkehrende Grundidee, die gemde den Begrilf des 
Abschliefsens der Aufsenwelt von etwas Geheiligtem, Innerem mit sich 
fdhrt. Auch fehlt das prachtvolle Thor nicht, das so gut wie an den 
gothischen Kirchen und an den "ägyptischen Tempeln so nachdrucksvoll 
auf das Innere hindeutet. Die Steigerung des Kunstelfectes bis zum Bilde 
der Gottheit ist endlich ein fortgesetztes Hinweisen auf das Innere. Alles 
ist innerliche, das heifst Hofarchitßktur, bis auf das Aeufsere des Tempels, 
und selbst dieses wird bei einem peristylen Tempel durch das Anlehnen 
des gewöhnlich die inneren Wände eines Hofes umgebenden Peristyles an 
die Tempelmauer in den Bereich der inneren Hofarchitekmr hiniiherge- 
tragen. Dass die Mauer der Celle. als der eigentliche äufsere Abschluss 
des Tempels zu betrachten ist, erkennt man deutlich an dem innerhalb 
der Hallen an der Tempelmauer herumlaufenden vollständigen Gebälke, 
welches ohne diese damit verbundene Idee nicht motivirt wäre. Zwar 
scheint die Giebelüberdeckung des Tempels, die alles umfasst, dem zu wi- 
dersprechen, aber dies ist eben eine von den Inconsequenzen der griechi- 
schen Baukunst, die der beabsichtigten Idee zugestanden wurden. Noch 
gröfser ist die andere Inconsequenz, niinxlich die Hypäthraleimichtung der 
Cella, und wie wir uns auch die Sache denken mögen, mochte nun das 
Innere ganz offen bleiben oder nach Art der Basiliken ein eigenes über- 
höhtes Dach erhalten, oder gar (nach Fergusson) durch Erkerfensterchen 
beleuchtet werden, niemals werden die Scrupel ganz gehoben, die wir bei 
dieser merkwürdigen Verzwitterung zweier, auf diese Weise nicht orga- 
nisch vereiubarer Bauelemente (des Daches mit der Umfriedigung) em- 
piinden. Wenn übrigens (und dies sage ich in Beziehung auf eine aus 
der Kuglefschen Schrift weiter oben citirte Stelle) durch das Versetzen 
des Peristyles die Cellamauer in den Bereich der Hnfarchitektur herüber- 
getragen wurde, wenn, nächst der Vergröfserung des Tempels, die Har- 
monie des Aeufseren mit seinem Inneren und seiner Umgebung Anlass dazu 
gegeben haben muss, so ist es auch consequent anzunehmen, dass das 
Aeufsere der Cellamauer gleich den Winden des peristylen Inneren und 
der Umgebung des Tempels gemalt gewesen sei. Diese Ncthwendigkeit 
trat sofort ein, wie die nackte Cella mit einem Peristyle umgeben wurde,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.