Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178499
Das Erhabene. 
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steige gewaltig empor, schroff, schwierig, so empfinde ich mit dem Ge- 
fühl meines kleinen, dagegen nichts bedeutenden Maasses den Eindruck 
des Erhabenen  immer vorausgesetzt, dass er den Ausdruck des 
Schönen an sich trägt. Ein Chaos kann nie erhaben sein. In dieser 
Weise hat man das richtige Maass zu suchen. Ausserdem freilich kämen 
wir auch beim Erhabenen nur zu einer öden Einheit, der philosophischen 
Gewissheit des "Ich"; die Aesthetik hat mit ihren mannigfaltigen Er- 
scheinungen alsdann von selber aufgehört.  
So lange ich aber nach einem deutlichen, mir völlig geläufigen 
liiaass messen kann, so lange giebt es für mich kein Erhabenes. 
Hierauf hat vor Allem der Baumeister zu achten, dessenKunst aus ver- 
schiedenen Gründen zum Erhabenen drängt. -Giebt er mir an seinem 
Bau, dessen Grösse, Kühnheit, Gewaltigkeit und Schönheit das Gefühl 
des Erhabenen erwecken soll, die Maassstäbe zur Grössenbeurtheilung, 
so zerstört er dadurch die verlangte Maasslosigkeit für meine Beur- 
theilung, schadet also der Empfindung, die er hervorrufen will. Die 
Pyramiden werden kleiner, sobald man ihre Stufen zählt, ohne dass 
diese perspectivisch für den Blick zusammenlaufen. 
Andererseits kann das, was mir die Maassstäbe nimmt, den Ein- 
druck des Erhabenen hervorrufen, wo er an sich nicht erweckt sein 
würde. In dieser Weise sind Dämmerung und Dunkelheit wichtig. 
Das Erhabene zeigt sich in so mannichfacher Weise, dass keine 
anderen Gränzen als die gegebenen Bestimmungen dafür aufzustellen 
sind. Es erscheint in der Natur, es erscheint im geistigen Leben, 
überall, 'wo wir liinaufsehen zur unfassbaren Grösse.  Wie sollte man 
hier nicht an Hiob oder an die Psalmen erinnern oder an die gewaltigen 
Propheten. Wenn der Herr zu Hiob sagt: „ Kannst Du dem Ross Kräfte 
geben oder seinen Hals zieren mit Geschrei? Kannst Du es schrecken 
wie die Heuschrecken?  Flieget der Habicht durch Deinen Verstand 
und breitet seine Flügel gegen Mittag? Fleuchet der Adler auf Deinen 
Befehl so hoch? Siehe den Behemoth. Seine Knochen sind fest wie Erz, 
seine Gebeine sind wie eiserne Stäbe     Er schluckt in sich den Strom 
und achtefs nicht gross; lässt sich dünken, er wolle den Jordan mit 
seinem Munde ausschöpfen... Kannst Du den Leviathan fangen mit 
einem Hamen und seine Zunge mit einem Strick fassen? Kannst Du 
ihm eine Angel in die Nase legen und mit einem Stachel ihm die 
Backen durchbohren? Meinest Du, er werde Dir viel Flehens machen 
oder Dir heucheln?    Wer kann ihm sein Kleid aufdecken? Und wer 
darf es wagen, ihm zwischen die Zähne zu greifen? Wer kann die 
Kinnbacken seines Antlitzes aufthun? Schrecklichstehen seine Zähne 
umhein... Sein Niesen glänzet wie ein Licht; seine Augen sind wie 
die Augenliede der Morgenröthe. Aus seinem Munde fahren Fackeln 
und feurige Funken sehiessen heraus... Sein Odem ist wie leichte 
Lohe und aus seinem Munde gehen 1713111111611. Sein Herz ist so hart
        

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