Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178402
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8.11589? 
Die Empfindungen 
dem Schönen 
und Erhabenen. 
sich entschliesst ihn zu bestehen. Er bettet sich 
Leidstifter greift nach ihm, da packt ihn Beowulf 
den 
SaaL 
Der 
Und fasst? ihm die Fäuste: die Finger zerbrachen 
Dem Riesen, da rückwärts ihn der Recke stiess. 
  'Das war ihm ein grnuser Gang. 
 Aus fuhr ein Geschrei 
S0 neu und nie erhört, die Norddänen fasste 
Schüttelnder Schrecken, die Schaaren der Männer, 
Die auf dem YValle den Wehruf hörten, 
Den Gegner Gottes das Grauslied brüllen, 
Den sieglosen Sang des Versehrten Jammerlaut. 
Grendel unterliegt in sehauerlichem Kampfe den Händen des 
Beowulf, aber die noch grausere Mutter gilt es jetzt zu tödten. Nun 
reitet er mit Führern in das Moor, bis er ÜbBFWäLChSEII sieht 
l 
Den grauen Stein von starrenden Bitumen, 
Wonnelosem Wald. Ein blutig Wasser stand 
Trübe darunter. 
Das Volk sah von Blut das Fennmoor wallen, 
Von hcissem Herzsaft. Ein Horn sang zu Zeiten 
Ein schaurig Sterbelicd   
Sje sahn im WVasser Vifurmgeschlechtex- viel, 
Seltsame Seerlrachen sich im Sumpfe tummeln 
Und an der Klippen Nasen die Nichse lauern. 
Hinweg floh Gewürm und wild Gethier   
Dort taucht Beowulf hinab ins Moor und in ihrer Höhle muss 
auch Grendels Mutter nach sclirecklichem Kampfe ihm erliegen. Die 
Beschreibung Grendels und seines Wohnsitzes ist unübertrefflich. 
Erfreulich dabei erscheint die Heldenkraft, die unbezwingbare Seele 
in dem gewaltigen Körper, die selbst dies Schreckliche besiegt und 
dadurch uns die ästhetische Freiheit wiedergiebt. 
Es muss auch bei diesem Hässlich-Furchtbaren, oder vielmehr 
zumeist bei ihm, hervorgehoben werden, dass es für die Kunst nur 
mit Vorsicht zu benutzen ist und standhaltend für den Blick  im 
Gemälde, in der Scnlpttir  leicht unerträglich wird. Auch das Drama 
ist hier gebundener durch die sichtbar darstellende Auffassung als 
die sonstigen Arten der Poesie. Immer aber, wenn das (ärausige be- 
nutzt wird, muss es gebändigt erscheinen durch den kräftigen gesun- 
den Sinn des Künstlers. So wie sich dieser selber vom krankhaften 
Grausen packen lasst und ein {ieberndes Behagen daran bekundet, mit 
bebenden Nerven, furehtverzerrt in diesen 'I'iefen zu wühlen, so be- 
kommen wir das volle widerwärtige Gefühl. Ein Shakespeare darf es 
wohl wagen, auch das Entsetzliche uns vorznführen: die gesunden 
Nerven des Mittelalters brauchten sich nicht so leicht vor den Höllen- 
fratzen des Fegefeuers zu scheuen, wenn sie darüber die Lichtengel 
Walten lassen; aber wenn 'I'heodor Amadeus Hoffmann und andere
        

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