Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178177
Harmonie 
zwischen 
Wesen 
und 
Erscheinung. 
Wir haben bisher die Harmonie der Theile betrachtet; es gilt 
jetzt die Harmonie des Ganzen ins Auge zu fassen, wie sich dieselbe in 
derUebereinstimmung des Wesens mit der P1rscl1einnngsform ausspricht. 
Die Aesthetik hat es mit den Erscheinungen, den Formen zu thun. 
Sie ist eine Formlehre. Dies muss festgehalten werden, wenn man 
nicht auf ästhetische Abwege gerathen will. Damit ist aber nicht be- 
hauptet worden, dass das Wesen der Dinge, an welchen sich Formen 
zeigen, gar nicht in Betracht komme, wie schon in übermässigem 
Eifer und Verdruss über die Verirrnng ans der Formlehre in die 
Wesenlehre behauptet worden ist. Schon zu Anfang ward darauf hin- 
gewiesen, dass eine Kraft da sein müsse, damit ein ltlaass sich daran 
zeige. Es giebt keine Qrtlnung, ohne dass ein Etwas vorhanden ist, 
was geordnet werden kann. Ordnung ohne einen Gegenstand ist ein 
Begriff, der LlnSlHIlllCll ist und darum nicht in die Aesthetik, sondern 
in die philosophische Abstractionenlehre gehört. 
Die Kraft muss eine gewisse Bedeutung haben, so lautete ein 
Satz, um unsere sinnliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und für 
uns erkennbar zu sein. Jedes Ding bedarf einer gewissen Grösse, 
damit wir es wahrnehmen können. Diese Grösse liegt zwischen dem 
zu Grossen und zu Kleinen. Dieses sehe oder höre ich nicht mehr, 
jenes übersehe und umfasse ich im Gehör nicht mehr; ich bekomme 
nicht das Ding, sondern nur ein Bruchstück, einen Theil. Aehnlieh 
auch für die Vernunft, wo man das Ueberkleixie nicht mehr erfassen, 
das [lebergrosse nicht mehr umfassen kann. 
Soll mich aber eine Kraft nicht blos zur Wahrnehmung überhaupt 
reizen, sondern auch meine Aufmerksamkeit fesseln, so versteht sich, 
dass ihre Bedeutung sich in einem andern, erhöhten Grade für mich 
steigern muss. 
Je bedeutender also die erscheinende Kraft oder mit anderen 
Worten jedes Ding, desto wichtiger wird es auch für die Aesthetik, 
wenn die sonstigen Verhältnisse dieselben bleiben. Gesetzt, alle ästhe-
        

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