Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1183578
Das Drama. 
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bindung mit der Handlung stehen. Poetische Gerechtigkeit hat zu 
walten. 
Noch wenige Worte über den Schauspieler. Er muss durch Ver- 
ständniss und äussere Mittel seinen Rollen gerecht werden können und 
da das Drama lcbenumfassend ist und durch das Komische auch das 
Hässliche hereinziehen kann, andererseits bis zum Schreckliehen gehen 
darf, so muss er den ganzen Menschen, auch nach Hässlichem und 
Niederem oder Schrecklichem zu umfassen wissen, in seiner Weise 
so gut wie der Dichter. Doch so wenig wie dieser darf er vergessen, 
dass sein Zielpunkt immer das Schöne ist. Den schönen Menschen im 
weitesten Sinne des Worts, in Handlung, Geberde, Bewegung, Anstand 
überhaupt, Sprache muss der Künstler-Schauspieler uns vorzuführen 
wissen, um so mehr, als nur Er es eigentlich noch ist, bei dem diese 
Schönheit im Getreibe des Tags und des Marktes nicht als manierirt 
missverstanden einem gewissen Tadel ausgesetzt ist. Wenn er in einem 
Kunstwerk darstellt, soll der Schauspieler nicht in dem Realismus der 
Alltäglichkeit sein Genügen finden, sondern immer wissen, dass er die 
Kunst repräsentirt. Shakespeares Regeln im Hamlet gelten für ihn. 
Wo er die Kunst zur Unwahrheit schraubt und sie dadurch von aller 
Lebenswahrheit losreisst, hat die Kunst an sich schon ein Ende. Wel- 
che Talente vom Schauspieler verlangt werden, wie schlimm es mit der 
Schule für ihn bestellt ist, dass er lernen könne und nicht erst alles an 
sich zu versuchen und aus sich zu schöpfen habe, das ist bekannt. Er 
muss den Dichter verstehen, die Fähigkeit besitzen, sich seines Iclfs zu 
entäusscrn und ganz in die dargestellte Person zu versenken und nur 
aus dieser herauszuwirken. Geberde, Sprache, der ganze Ausdruck 
muss ihm bei jeder Empfindung willig dienen. Aber dann ist noch nicht 
Alles gethan. Der gute Schauspieler muss das Talent haben, Alles zu 
ergänzen, was der Dichter nicht im Drama erzählen kann. Er muss 
also gleichsam das feinste epische Talent besitzen, um zu den Worten 
in" den Handlungen die Ergänzungen geben zu können. Wie bei den 
Meisten dies Ergänzungs-Talent nur für die gewöhnlichen Lebensweisen 
ausreicht, ist nur zu häufig zu sehen. Das Grosse erfordert Versenken 
in das Grosse, ein Hinabtailchen in die Tiefen, wie Eckhof sagte, bis 
die Tiefe der Ideen ermessen ist. Wer das Gewaltige darstellt, der 
muss arbeiten, sich geistig so mächtig ausdehnen, dass nicht die Rolle 
um den armseligen Träger schlottert, sondern Mann und Rolle geistig 
und körperlich Eins geworden sind. Nicht „wie er räuspert und wie er 
spuckt  sondern das Genie, ich meine, sein Geist," das hat der Schau- 
spieler in seinen Rollen zu erweisen. Wir haben der guten Schauspieler 
nicht viele, aber man darf sagen: daran sind die Dichter Schuld, welche 
bisher der Zeit noch keinen rechten dramatischen Ausdruck zu geben 
gewusst haben. Der gute Schauspieler kommt sicher, wenn ein guter 
dramatischer Dichter da ist". . .
        

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