Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1183569
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Die Dichtkunst. 
in der Tragödie selbst der Humor 
nicht zu grell zu contrastiren. 
düstere Färbung anzunehmen hat, 
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In der reinen Komödie schlägt das heitere Element noch mehr vor, 
ja kann ganz vorwiegen. Die Anlehnung an das Ernste ist auch ihr 
nöthig; die Tiefe darf nicht fehlen, wie heiter auch diese Oberfiache 
aussehen mag. Hinter der lustigen Maske muss eine Gesinnung stecken, 
gesund und edel, so kräftig, dass sie auch das Hässliche und Schlechte 
durch das Komische zu bezwingen und in Nichts aufzulösen vermag. 
Ueber Alles zu lachen, nicht aus Narrheit, sondern mit Kenntniss all' 
des Web's und mit Gefühlfür-alles Weh, ist eine schwere Kunst und 
setzt grosse Beherrschung und eine seltene philosophische Geisteskraft 
voraus, wenn sie sich von Hohn und dem Spott der Zerrissenheit oder 
Verbitterung freihält. Satire, Persiflage, Parodie u. s. W. ist leichter, 
als jenes schöne Maass im Komischen zu halten. Shakespeare ist auch 
in dieser Beziehung niemals übertroßen. 
Die Fülle des Lebens, des Einzelnen, wie der durch ihre Helden re- 
präsentirten Völker und der Menschheit kann das Drama mit einer 
künstlerischen Gewalt zeigen, wie keine andere Kunst. Die Gewalt der 
Dichtung findet Ausdruek durch die Rede und die Handlung. Die innere 
und die äussere Anschauung wirken zusammen. 
Bei dem vollen Leben in der Verschönerung der Kunst sind wir so 
angekommen. Hinzu treten nun die anderen Künste. Architectur und 
Malerei geben die Räume, schaffen den Ort. Lebendige Plastik ent- 
zückt uns. Milsika-lische Ordnungen wirksam in Form und Sprache, 
oder Musik stimmt unsere Seelen und giebt auch ihre Weihe der tiefsten 
Empfindungen, welche das Leben gestattet. 
Leid und Lust, Ende gut, Alles gut oder das tiefste Erdeuweh 
zeigt uns das wahre Drama, welches nicht aus einem beliebig drama- 
tisirten Vorgang besteht, sondern eine bedeutende Idee zum lebendigen 
entsprechenden Ausdruck bringt. Wo es gross und wahr ist, zeigt es 
immer die höchste religiöse Erkenntniss, welche seine Zeit besitzt. 
Seiner inneren Folge wegen ist dabei das Wunderbare ausgeschlossen; 
nicht der blinde Glaube 0b des Zufalls, 0b einer ungelauterten willkür- 
lichen Gcttesanschauung darf sich in ihm geltend machen, sondern die 
denkende Betrachtung von Ursache und Wirkung allein. Den streng- 
sten Ausdruck findet dieselbe als Schuld und Folge der Schuld, Sühne 
auf ethischem Gebiete. Ausmessen, abwägen lässt sich das Schicksal 
nach Schuld und Strafe nicht; daher ist thörigt, den Fehl des tra- 
gischen Helden genau wie auf Heller und Pfennig abschätzen zu wollen 
gegen die Strafe, oder die Verdienste des siegreichen gegen sein 
Glück. Die Forderung ist nur die: ganz unverdient darf weder Un- 
glüßk 110011 Glück sein, und das Schicksal muss in richtiger Ver-
        

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