Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1183537
Robin Hood mit seinen lustigen Mannen erscheint, sich mit Little John 
und Robert Green herum schlägt und den Bruder Tue im Walde trifft. 
Die epische Erzählung, die Sage und Ballade muss die Stoffe geben. 
Verkommene Gesellen, welche Bildung genossen haben, ziehen mit den 
Komödianten; der Gelehrtenhochmuth dieser Jünger Thalia's und dann 
die Freude und Theilnahme der ganzen Zeit an Allem, was die huma- 
niora betrifft, lässt zu den Stoffen aus der alten Welt greifen; auch deren 
Formen, die als die höchsten gelten, die unterdessen in Italien wieder 
wirksam geworden waren seit dem Erblühen der Renaissance, sucht man 
mehr und mehr anzustreben. Gewaltige Erfolge sind in dieser Weise 
schon für das Drama in England errungen; das Alterthum und Italien 
sind Lehrer, während die epischen Stoffe die Grundlagen abgeben,  
da wandert ein junger Mensch aus Stratford am Avon nach London. 
William Shakespeare wird Schauspieler. Er beginnt Dramen zu dich- 
ten. Im Anfang ist er befangen in den wüsten Weisen des Volksdra- 
ma's und den halbverdauten classischen Reminiseenzen. Aber er ist ein 
Riesengeist. Er studirt die damals für unübertreiflich gehaltenen ita- 
lienischen Muster, die Feinheiten ihres Stils, die Blumen dieser Reden, 
ihr süsses Gestandel und ihre Witz- und Wortspiele. In einer Zeit, wo 
unsere einst so herrliche Sprache, darin der Minnegesaug erschollen und 
das Nibelungenlied gedichtet war, am tiefsten dar-nieder lag, dichtet er, 
seine volle Kraft zu jenen Feinheiten in die Wagsehale werfend, Romeo 
und Julie. Er war in der Nachahmung und Nacheiferung der Italiener 
nicht stehen geblieben. Er hatte gelernt! In den fröhlichen Tagen ju- 
gendlichen Aufschwungs schuf er seine fröhlichen Dramen, zwischen 
deren lustigen und kecken und schönen Figuren aber schon die düstere 
Figur eines Richard III. steht; dann kommen ein Othello, Hamlet, Mac- 
beth, König Lear. Hinüber greift er dann in's classische Alterthum. 
Sein Blick ist härter; sein Herz nicht mehr so menschenfroh. Gelehrte 
Nachäderei will mehr und mehr in die antiken Formen das neue Drama 
zwangen, das auf ganz anderem Boden als jene erwachsen ist. Da wählt 
er wohl, wie im Gegensatz, die alten formloseren Weisen des englischen 
Dramas, gegenüber der Einheit in Zeit und Ort. Sein Wintermahrchen 
halt er den gelehrten Missverständlern entgegen; dann ertönt sein 
Sehwanengesang im Sturm, wo er den Zauber abschwört und den Zau- 
berstab zerbricht und tiefer, als das Senkblei jemals forscht, das Buch 
vergrabt, aus dem die Wunder gelernt worden. Mit ihm entsagt er der 
Bühne. 
Von 
sagt:  
ihm 
gilt, 
W35 
sein 
Cassius 
zum 
Brutus 
über J nlius 
Caesar 
Er schreitet über diese enge Welt 
Wie ein Colossns; und wir kleinen Menschen, 
Wir wandeln zwischen seinen Riesenbeinen. 
        

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