Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1183490
Das Drama. 
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sich freier bewegen und sind andererseits wieder durch ihre Eigen- 
thümlichkeit gebunden. Das Melodrama verbindet Rede mit Musik, 
indem es zuweilen jene von dieser getragen werden lässt, zuweilen beide 
abwechselnd einführt und durch die Musik die unterbrochene Handlung 
weiterführt. (Im Egmont der Schluss). 
Ein kurzer Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung des 
Dramas wird in mannigfacher Weise das Verstandniss desselben er- 
leichtern. Wir übergehen hier die dramatisirenden Dichtungen des 
Orients (z. B. das hohe Lied derJuden; auch Hiob ist dahin zu rechnen), 
und die dramatischen Aufzüge und Handlungen verschiedener Oulte 
(z. B. des Adonisfestes), welche für das Drama von keiner Wichtigkeit 
geworden sind. Die griechische Tragödie und Komödie nahmen ihren 
Ursprung von den Bacchischen Festen. Aus dem Dithyrambus gestaltete 
sich die Tragödie; aus den Lustbarkeiten des heiteren Tollens der 
Winzer u. s. w. die Komödie. An die Weihegesänge zu Ehren der Gott- 
heit wurde eine Handlung geknüpft und dargestellt. Zum Chor und 
dessen Tanz kam das Wort und die mimische Darstellung des Reden- 
den. Feierlicher, gottesdienstlicher Brauch, Gesang, der das Göttliche 
verherrlichte, war der Ausgangspunkt. Erst allmälig kam das eigent- 
liche Drama zur Gleichberechtigung. Die Wahl des Stoffes wurde 
dadurch beeinflusst; der Dichter war auf Mythus und Sage, dem Mythus 
des Gottes entsprechend hingewiesen. Das Ganze war ein religiöser 
Act, der unter der Obhut des Staates bei der Aufführung stand, wie 
andere religiöse Bräuche auch. Die Darstellung von Heroen, Göttern 
u. drgl. musste darauf führen, ihre Gestalten besonders auszuzeichnen 
durch Grösse und sonstige äussere Erscheinung; dass so wenige Schau- 
spieler agirten, die sich in die Rollen theilen mussten, machte, ganz 
abgesehen von dem künstlerischen Schein, der die naturahstische Nach- 
ahmung verschmähte, mit welcher Gesang, Musik und Tanz doch nicht 
stimmte, besondere Ausstattung wiinschenswerth. S0 ward, wie schon 
oben bemerkt, Kothurn und Maske eingeführt. Zu all' diesem  
Gesang, Fabel, heroischen Personen, Götterfeier, Masken u. s. w.  
passte keine individuelle Behandlung der Charactere; diese, die Sprache, 
der ganze Stil hielten sich auf einer über gewöhnliche Menschlichkeit 
hinausgehenden Höhe, gingen damit aber auch auf das Typische, All- 
gemeine. Diese typischen Gestalten waren nicht die Kinder der leichten, 
beweglichen Gegenwart. Was sie sprachen, war nicht das Geschwätz 
des Marktes; was sie empfanden, huschte nicht durch die Herzen und 
zuckte nicht über die Angesichter in leichtem Wechsel und Spiele. Mehr 
als gewöhnliche Menschen, bedurften sie nicht des schnellen Mienen- 
Spiels; gross wie die Götterbilder und in den Masken starr wie sie, 
erschienen die Gestalten der griechischen Bühne. (Die Grösge der 
offenen Bühne kam ebenfalls in Betracht und veranlasste noch eigene 
zur Verstärkung der Stimme dienende Schallapparate in den Masken.)
        

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