Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1183196
Lyrik. 
Die 
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nig, u. s. w., welche jeder bestimmteren Üharacterschilderung hinderlich 
ist, ward glücklich vermieden und die bestimmten Namen: Herr Olaf, 
Erich, Douglas u. s. W. sicherten die individuelle Behandlung. Unsere 
alten derartigen Lieder, wie das oben angeführte Hildebrantslied, ver- 
kümmerten oder erhielten sich nur prosaisch in den Volksbüchern vom 
hörnenen Siegfried u. s. w.; die neueren Stoffe wurden in's Historisch- 
Prosaische hinübergezogen, und nur in seltensten Fällen künstlerisch 
verarbeitet (die historischen Volkslieder, wie sie uns in den fliegenden 
Blättern, aus dem 17. Jahrhundert besonders, aufbewahrt werden, sind 
nur zu häufig dichterisch ganz undurchbildet und bänkelsängerartig auf- 
gereihte Verse). Unsere Kunstdichter, wie Bürger z. B. nahmen die nor- 
dische Ballade zum Vorbild. Zu gleicher Zeit etwa wurde aber auch 
die Form der lyrisch-epischen Dichtung herübergenommen, wie sie sich 
bei den romanischen Völkern, zumeist bei den Spaniern entwickelt 
hatte, die Romanze. Die Romanze der Spanier behandelt wie die eng- 
lisch-schottische Ballade lyriseh-episeh eine bestimmte Begebenheit, hält 
wie jene die Bestimmtheit der Personen u. s. w. episch fest und kann 
sich hoher künstlerischer Durchbildung rühmen. Sie ist von der Ballade 
unterschieden durch den allgemeinen, mehr cavaliermässig zu nennen- 
den, hölisch-ritterlichen Ton der südlichen Völker, so wie durch das 
Versmaass (Trochäen, Assonanz). Die Ballade hat mehr das germa- 
nische Gepräge; statt äusserlichen Wesens mehr innerliches, aber auch 
mehr Schrotfheiten der äusseren Form; WO der Romane bestimmt ist, 
wird der Germane leicht derb; wo jener leidenschaftlich, dieser wild, 
jener witzig, dieser grob. Unsere Vorzüge dagegen braucht man nicht 
aufzuzahlen. Je nachdem nun eine entsprechende Dichtung mehr in 
diesem germanischen oder in dem romanischen Stil sich bewegt, nennen 
wir sie Ballade oder Romanze. Weitere, besondere Unterschiede sind 
nicht zu machen. Die englische und schottische Balladendichtung liebt 
die dramatische Behandlung. Hier der Anfang einer Ballade in 
diesem Stil: 
„Graf Douglas presse den Helm in's Haar, 
Gürt um dein lichtblau Schwert, 
Schnall an dein schärfstes Sporenpaar 
Und sattle dein schnellstes Pferd!" 
"Der Todtenwurm pickt in Scone's Saal 
Ganz Schottland hört- ihn hämmern, 
König Robert liegt in Todesqual, 
Sieht nimmer den Morgen dämmern!"  
Sie ritten vierzig Meilen fast 
Und sprachen Worte nicht vier, 
Und als sie kamen vor Königs Palast, 
Da blutete Sporn und Thier     
(Strachwitu)
        

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