Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1183161
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Die Dichtkunst. 
volle Vcrsmaass der meisten Oden, reich und bestimmt zugleich, gab ihnen 
ein höheres äusseres Gepräge; in solchen Formen, wie das Alkäisclne, 
Sapphische u. a. lässt sich nicht leicht schlendern, wie im Trochäen- 
schritt Anakreons. Wo die Hymne oder grössere Ode allgemeiner Sang 
blieb, bildete sich durch die Musik und den Tanz, namentlich durch die 
tanzende mimische Begleitung des Chors die schon früher besprochene 
Dreitheilung heraus. Die freiere Hymne, die dem Bacchus zu Ehren 
gesungen wurde, wurde zum gewaltsam kühnen Sang gleichsam des be- 
geisterten Rausches und Dithyrambe genannt. Sangweise und Name 
wurde dann später auf alle ähnlichen Dichtungen lyrischer Trunkenheit 
ausgedehnt. Der Sang zu Ehren Apolls wurde Päan genannt. Päan 
hiess dann auch der mit rhythmisehem Schritt verbundene Triumphsang 
der Krieger. Alle die grösseren Dichtungen dieser Art bewahren ein 
verhältnissmässig bedeutendes iepisches Element. Der objectivere Grieche 
liebte mehr die Dinge zu besingen, auf welche sein Schmerz, seine 
Freude sich bezog, als seine Gefühle lyrisch auseinander zu legen und 
über sie sich zu verbreiten. 
Wir verweisen betreffs deutscher Oden auf Klopstock und Platen, 
der Festgesange pindarischen Stils auf Platen, der Hymnen auf die 
herrlichen Hymnen Göthe's (Gesang der Geister über den Wassern, 
Meine Göttin, Ganymed, das Göttliche, Prometheus u. s.  Dithyram- 
bisch sind Göthds: Wanderers Sturmlied, An Schwager Kronos, Harz- 
reise im Winter; Schiller nimmt in der„Dithyrambe", und in andern Dich- 
tungen häufig, dithyrambischen Schwung; sodann sind seine Chorge- 
sänge in der Braut von Messina nachzusehen. 
Hören wir aus Aeschylus einige Strophen eines Chorgesangs: 
S0 nährt Einer im Haus wohl 
Den Löwen, fern von der Mixtter, 
Den milchdiirstenden Unhold. 
Zahm im Beginne des Lebens, 
Liebend geliebt- von den Kindern, 
Gerne gesehn von den Alten, 
Ruht er oft in ihrem Arm 
Gleich dem zarten Kind, und blickt 
Freundlich wedelnd zur Hand hinauf, 
Die dem Hungernden spendet. 
Erstarkt endlich, enthüllt er 
Den Erhsinn seines Geschlechtes. 
Denn die_ Pflege vergeltend, 
Schafft er ein Mahl ungeheissen 
Sich von gemordeten Lämmern, 
Röthet mit Blut die Gemächer. 
Alle sehn in tiefem Schmerz. 
Wie der Mörder rast und würgt. 
Also nährte dem Haus ein Gott 
Emen Priester des Unheils.
        

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