Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1183015
Epos. 
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danken, Verclausuliren, näheres Definiren u. drgl. ist zu verbannen, ist 
nur ausnahmsweise und dann eigentlich nur komisch zu gestatten. 
Dagegen ist auch der hochpoetische, in Bildern, Metaphern u. s. W. 
schweigende, springende lyrische Stil der Poesie, sowie der übermässig 
dramatische für die Prosa zu vermeiden. 
Die Verschiedenheit, welche sich durch den Gebrauch der Prosa 
in den angeführten Arten der epischen Dichtung ergicbt, kann man 
danach bemessen. Es sei hier nur noch des Romans und der Novelle 
Erwähnung gethan. Der Roman ist das prosaische Epos und zwar das- 
jenige, welches als Oulturepos characterisirt ist. Das Heldencpos ver- 
langt schon als künstlerische Fiction die Kunstform und muss volle 
Dichtung sein oder der Contrast des Inhalts und der Form wird sich 
komisch bemerkbar machen. Andernfalls muss das Heldenepos die ge- 
schichtliche Behandlungsweise annehmen, wo das Ungewöhnliche Ver- 
standes gemäss in das Gewöhnliche, Nothwendige aufgelöst, als eine 
Folge des Vorhergeschehenen und Gethaneneir erklärt wird. Die Hel- 
denromane, welche dem edlen Ritter Don Quichote den Kopf verdrehten, 
blieben im vollen Oontrast des Inhalts und der Form stecken; Unnatur, 
Schwulst, Unsinn kam dabei heraus. Cervantes löste diesen Wider- 
spruch durch volle Komik, die sich dadurch zur Satire gegen jene 
Ritter- und Heldenromane gestaltete. Ariosto vermied durch seine 
dichterische Form diesen Widerspruch; wie er den andern innern Wider- 
sprnch des Wunderbaren zum Glauben der Zeit löste und zwar gleich- 
falls durch humoristische Behandlung, ward oben gesagt. 
Das Culturepos mit den Schilderungen des wirklichen Lebens, den 
Anforderungen der Prosa gemäss umgestaltet, giebt den Roman. Der- 
selbe ist Dichtung, soll also weder wissenschaftlicher Auseinandersetzung 
noch der Tendenz dienen, sondern nur mittelbar durch die Phanta- 
sie auf Verstand und Willen wirken. Unmittelbare Didactik zeigt 
ästhetische Fehlerhaftigkeit, kein Verdienst an. Wie für jede Dichtung 
gilt es im Grossen und Ganzen die philosophischen und ethischen 
Momente in ästhetische umzusetzen; dass sie im Einzelnen benutzt werden 
dürfen, ward gesagt. Doch ist hier grosse Vorsicht nothwendig. Die 
Didactik zeitweilig einer Person in den Mund gelegt, das bleibt im Stil, 
eine didactische Person aber, welche durch das ganze Stück geht, und 
überall didactisch wirkt, fällt aus dem Stil. (Nester, Odysseus bleiben 
immer poetisch im Homer). Nicht minder, wenn der Dichter selber als 
didactische Person auftritt und Alles didactisclrbeleuchtet, was er dich- 
terisch uns vorführt, ganz zu geschweigen davon, wenn e1' überhaupt 
lehrhaft ist, wo eben die Dichtung alsdann aufhört. 
Eine dichterische Erzählung darf nicht Abklatsch des Alltäglichen 
sein, ist es nie in dessen gewöhnlicher Weise. Ganz prosaischel- Inhalt 
giebt keine Dichtung. Damit fallen eine Menge Romane, welche die All- 
täglichkeit und Langxreiligkeit alltäglichen Lebens zu schildern sich zur 
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